Für ein Daueraufenthaltsrecht sollten Asylbewerber nach Auffassung Strobls "einigermaßen ordentlich Deutsch sprechen können", Grundkenntnisse der deutschen Rechts- und Gesellschaftsordnung besitzen und keine Straftaten begangen haben. Zudem sollten sie "mit 60 Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung nachweisen können, dass sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können", sagte Strobl der "Welt" vom Montag. Das unbefristete Aufenthaltsrecht dürfe es künftig frühestens nach fünf Jahren geben.

Den Konflikt über den Elternnachzug unbegleiteter Kinder und Jugendlicher sollen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) beilegen. Noch sei nicht klar, wann die Gespräche abgeschlossen werden, sagte eine Sprecherin des Justizressorts. Der Gesetzentwurf mit mehreren Verschärfungen hatte am Mittwoch das Bundeskabinett passiert.

Das SPD-geführte Bundesfamilienministerium räumte eine Fehleinschätzung bei diesem Verfahren ein. Eine Veränderung im Gesetzentwurf sei dem Ministerium zwar aufgefallen, sagte eine Sprecherin. "Aber die Tragweite wurde anders eingeschätzt." Es geht darum, ob auch für unbegleitete Minderjährige wie für andere Flüchtlinge mit eingeschränktem ("subsidiärem") Schutz der Familiennachzug für zwei Jahre ausgesetzt sein soll.

In dem Kabinettsbeschluss ist eine Klausel zugunsten der Minderjährigen nicht enthalten. Im Familienministerium war man laut Sprecherin davon ausgegangen, dass der Elternnachzug dennoch möglich bleibt. Dies gebiete internationales Recht. Im Jahr 2014 erhielten laut Innenministerium 214 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingeschränkten (subsidiären) Schutz. 2015 waren es bisher 105 Fälle, allerdings dürfte die Zahl noch wachsen.

Das Kinderhilfswerk terre des hommes mahnte: "Eine Aussetzung des Familiennachzuges für Flüchtlingskinder wäre ein schwerer Verstoß gegen das Kindeswohl gemäß der UN-Kinderrechtskonvention."