Nachdem sich schon die CDU-Spitzen hinter Milbradt und die Koalition gestellt hatten, bekräftigte nun auch das SPD-Präsidium seine Loyalität. Mit der Ankündigung, sein Kabinett umbilden zu wollen, sende Milbradt "die richtigen Signale", sagte Jurk nach der Sitzung. Sachsen brauche ein leistungsfähiges, standfestes Kabinett.
Solche Töne waren zuletzt selten geworden, vielmehr hatten sich Jurk und sein Fraktionschef Cornelius Weiss massiv über die CDU beklagt. Auch jetzt schwingt noch Kritik mit, wenn Jurk erwartet, dass die "Defizite in der Kommunikation behoben" werden und sich die CDU "nach ihrer schweren Krise wieder stabilisiert und handlungsfähig zeigt". Dabei war es auch die SPD, die ein zerrissenes Bild abgegeben und ihre Standfestigkeit zur Koalition infrage gestellt hatte. Doch damit soll erstmal wieder Schluss sein. "Wir wollen die Vereinbarungen des Koalitionsvertrages weiterhin erfüllen”, betont der stellvertretende Ministerpräsident. Der Freistaat brauche jetzt eine "stabile Koalition", um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Schwelende Konflikte, so ist zu hören, sollen nun intern besprochen werden.
Milbradt will nach dem Notverkauf der Sachsen LB und dem Rückzug von Finanzminister Horst Metz (CDU) bis Ende des Monats sein Kabinett umkrempeln. "Wir brauchen neuen Schwung und wir brauchen auch eine neue Mannschaft, die 2009 die Wahlen für uns gewinnt", hatte Milbradt in einem Fernsehinterview angekündigt. Dabei wird in Regierungskreisen angenommen, dass Milbradt einen neuen Chef der Staatskanzlei sucht und Amtsinhaber Hermann Winkler ein Fachministerium erhalten könnte. Auch über eine neue Aufgabe für CDU-Vize und Kultusminister Steffen Flath wird viel spekuliert. CDU-Fraktionssprecher Martin Kuhrau trat allerdings Spekulationen entgegen, Flath könnte vorzeitig Fraktionschef Fritz Hähle ablösen. "Fritz Hähle ist bis 2009 gewählt. Er will bis dahin mit aller Kraft dazu beitragen, die Koalition zum Erfolg zu führen und dem Ministerpräsidenten den Rücken stärken", so Kuhrau.
Derweil macht die Opposition ihre eigenen Vorschläge zur Kabinettsumbildung. "Die größte Schwachstelle in der Regierung ist der Chef selbst", sagt der Fraktionsvorsitzende der Linken, André Hahn. Milbradt sei "für eine katastrophale Personalpolitik verantwortlich", ein Rücktritt und Neuwahlen seien nötig. Auch Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau hält eine Kabinettsumbildung für ein Täuschungsmanöver. Ein Stühlerücken sei "weiter nichts als Ringelpiez", die CDU habe für ihren Autoritätsanspruch "überhaupt nicht das nötige Personal".
Pläne in der Opposition, einen gemeinsamen Antrag auf Neuwahlen zu stellen, sind indes erledigt. Nachdem sich die FDP davon distanzierte, reicht es nicht für die benötigten 42 Stimmen.