Seit mehr als 20 Jahren ist der Spreewald von der Unesco als Biosphärenreservat anerkannt. Er gehörte zu jenen wertvollen Naturlandschaften in der ehemaligen DDR, die als "Tafelsilber der deutschen Einheit" bezeichnet und per Ministerratsbeschluss am 12. September 1990 im Nationalparkprogramm unter Schutz gestellt wurden.

Ein Kriterium für den ein Jahr später erteilten Unesco-Status war die Auflage, drei Prozent der Reservatsfläche besonders zu schützen. Daraufhin haben die Biosphärenreservats-Verwaltung, der Zweckverband, das Kuratorium und viele weitere Partner in den Folgejahren 975 Hektar Fläche als Kernzonen ausgewiesen. In diesen Bereichen ist jede wirtschaftliche Nutzung und Landschaftspflege ausgeschlossen. Doch die bisher ausgewiesenen Kernzonen - gut zwei Prozent des 47 500 Hektar umfassenden Spreewaldes - reichen nicht aus, um langfristig bei der Unesco zu bestehen. "Wir sind trotz der positiven Entwicklung bereits 2002 gemahnt worden, diese Auflage zu erfüllen", räumt die Referatsleiterin Naturlandschaften, Corinna Fittkow, vom Potsdamer Umweltministerium ein.

Deshalb müssen die Spreewälder bis zum nächsten Unesco-Bericht im Jahre 2014 Nägel mit Köpfen machen. 450 Hektar sollen an die bestehenden Kernzonen angedockt werden. Die Pläne dafür liegen noch bis zum 26. Oktober bei den Kreis-, Stadt- und Amtsverwaltungen aus. "Wir wollen alle mitnehmen und sind für Hinweise und Anregungen dankbar", fordert Biosphäre-Chef Nowak dazu auf, die Pläne einzusehen und Einwände zu formulieren. Wenngleich ein Großteil der betreffenden Flächen in Landesbesitz sei, müssten zahlreiche Kaufverträge auch mit privaten Besitzern vorbereitet werden. Und obwohl die Flächen fast ausnahmslos seit Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaftet würden, tun sich manche Eigentümer schwer. Es gebe noch immer viele Vorbehalte, die die Verhandlungen schwierig machen.

Eugen Nowak räumt jedoch mit einigen von vornherein auf: Fließe, die bisher schiffbar waren, würden es auch bleiben. In den Bereichen könne auf der Grundlage eines Konzeptes weiter gejagt werden. Die Fischerei bleibe auf den schiffbaren Gewässern auch in den Kernzonen freigestellt. "Die Tourismus-Entwicklung im Spreewald basiert auf dem Erhalt unserer einmaligen Naturlandschaft", betont Nowak. Umfragen hätten ergeben, dass die Leute zuerst hierher kommen, weil sie Natur pur erleben könnten.

Dieses Anliegen befördern nach Ansicht des Biospähre-Chefs auch die geplanten hinzukommenden Schutzgebiete. Wenngleich sich die Vegetation in diesen Gebieten ohne Einwirkung des Menschen eigenständig entwickeln soll, "wird die ungestörte Natur für immer mehr Menschen zur besonderen Faszination". Kernzone, höchster Schutzstatus und touristische Attraktion durch unmittelbare Erlebbarkeit würden keineswegs einander ausschließen.

Das anvisierte 230 Hektar umfassende Areal Kockrowsberg südlich von Lübben ist für Eugen Nowak dafür nahezu ein Paradebeispiel. So gebe es dort einen Inselbereich zwischen Spree und Burg-Lübbener-Kanal. Er wurde einst als Wiese genutzt. Inzwischen ist hier über Jahrzehnte ein Wald herangewachsen. Zudem befinde sich der Europa-Radwanderweg in unmittelbarer Nähe. Und ein Beobachtungsturm biete faszinierende Aussichten. Eugen Nowak: "Hier wird Natur erlebbar."

Die Planunterlagen unter: www.mugv.brandenburg.de