Auffällig ist dabei, dass die Gewaltbereitschaft bei jugendlichen Straftätern zunimmt. Im Jahr 2006 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes dreimal so viele junge Menschen unter 21 Jahre wegen Körperverletzung verurteilt wie 1990.Viele negative BeispieleAuch in der Lausitz und der Elbe-Elster-Region gibt es zahlreiche Beispiele für diese negative Entwicklung. Mitte vergangenen Jahres verurteilte die Jugendstrafkammer des Landgerichtes Cottbus einen 20-jährigen Mann zu zweieinhalb Jahren Haft. Er hatte seine damalige Partnerin mit Fäusten, Stöcken und Lederriemen geschlagen, sie mit Elek trokabeln gewürgt und ihr Plastiktüten über den Kopf gezogen. Selbst wenige Stunden vor der Geburt seines Babys hatte er seine Exzesse fortgesetzt. Auch dem Säugling gegenüber war er gewalttätig geworden. Bei einigen Taten war der Verurteilte erst 17 Jahre alt. Im vergangenen Jahr verurteilte das Landgericht drei junge Frauen, die unmittelbar nach der Geburt ihre Babys getötet hatten. Zwei der Täterinnen waren jünger als 21 Jahre. Im Juli 2006 verurteilte das Cottbuser Jugendschöffengericht fünf junge Russlanddeutsche aus Forst zu Haftstrafen, die zum Teil zur Bewährung ausgesetzt wurden. Sie hatten ein 16-jähriges Mädchen mehrfach vergewaltigt.Bei der Jugendstrafkammer des Landgerichtes, vor der vor allem schwere Straftaten angeklagt werden, drückt sich die wachsende Gewaltbereitschaft jugendlicher Täter in nüchternen Zahlen aus. Im vergangenen Jahr gingen bei dieser Kammer 47 neue Strafverfahren ein. Das waren 13 mehr als im Jahre 2007. Neun der 47 Verfahren waren Anklagen wegen Kapitalverbrechen.In Brandenburg wie auch in Sachsen und in anderen Bundesländern hält die hohe Kriminalitätsbelastung durch junge Menschen weiter an. Im Jahre 2007 waren trotz leichten Rückgangs noch immer 27,4 Prozent aller Tatverdächtigen noch keine 21 Jahre alt. In Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis lag die Quote sogar noch 0,4 Prozent darüber. Engagement gefordertBrandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) forderte angesichts dieser negativen Entwicklung, durch gesellschaftliches Engagement einen Schutzschirm gegen kriminelles Abgleiten zu spannen. Vor allem Liebe, Geborgenheit und Sicherheit in den Familien seien für die Kinder und Heranwachsenden besonders wichtig. "Allerdings wissen wir alle, dass die Realität leider oft ganz anders aussieht und körperliche und seelische Misshandlungen das Klima bestimmen."Heftig diskutiert unter Experten wird der Einfluss von Gewaltdarstellungen in Medien oder in Computerspielen. Der Hirnforscher Professor Manfred Spitzer von der Uniklinik Ulm schließt solche Zusammenhänge nicht aus. Spitzer war im Dezember 2006 Gutachter in einem deutschlandweit beachteten Prozess in Cottbus. Ein 19-Jähriger hatte in Cottbus einen 51 Jahre alten obdachlosen Mann aus Frust von hinten eine Treppe heruntergestürzt, ihn brutal geschlagen und getreten und ihn auf diese Weise getötet. In den Augen des Täters war er nur ein wehrloser "Penner". Zuvor hatte der junge Mann bei einem Bekannten über fünf Stunden hintereinander am Computer virtuelle Wrestlingkämpfe bestritten und dabei immer verloren. Das habe beim Täter zu einem "Abstumpfungseffekt" geführt, hatte Professor Spitzer erklärt. Das Gericht folgte dem nicht. Es verurteilte den jungen Mann wegen Mordes zu neun Jahren Haft. Eine in Jugendstrafverfahren harte Strafe nahe der Höchstgrenze, die in Deutschland äußerst selten ausgesprochen wird.