Herr Schuster, Sebastian Edathy muss auf die Anklagebank. Haben Sie das erwartet?
Ja. Nach meiner Rechtsauffassung hätte ich ihn auch angeklagt ohne die Beweismittel auf dem Bundestagsrechner. Weil ich das andere Material schon für eindeutig genug halte, das er in Kanada bezogen hat.

Sie rechnen also mit einer Verurteilung Edathys?
Ich gehe von einer Verurteilung aus. Was zum Teil auch daran liegt, dass ich bereits auf dem Weg der Novellierung des Strafrechts bin. Die Klassifizierung von Bildmaterial in Kategorie eins, das heißt in strafbares kinderpornografisches Material, und in eine straffreie Kategorie zwei mit nackten Kindern halte auch ich für überflüssig. In Kategorie zwei ist Edathy auf alle Fälle. Und die Staatsanwaltschaft geht nun davon aus, dass er auch kinderpornografische Bild- und Videodateien heruntergeladen hat.

Was bedeutet die Anklageerhebung für die Arbeit des Untersuchungsausschusses?
Eine frühere Anklageerhebung wäre für uns besser gewesen. Dann hätten wir das Urteil im Zuge unserer Arbeit bewerten können. Ob das jetzt noch so sein wird, kann ich nicht vorhersagen.

Edathy soll am 18. Dezember im Ausschuss gehört werden. Ist mit der Anklageerhebung eine Aussage noch unwahrscheinlicher geworden?

Nein. Ich glaube nicht, dass sich die Chancen jetzt verringert haben, dass Edathy kommt. Denn er hat mit einer Aussage vor dem Untersuchungsausschuss die Möglichkeit zu bestimmen, was er wie lange ausführt. Er kann allerdings auch gar nichts sagen. Diese rechtliche Möglichkeit hat er.

Was erhoffen Sie sich denn von einer möglichen Aussage?
Ich will, dass mehr Licht ins Dunkel kommt. Es gibt ja genug Leute, die nach wie vor mit Verschwörungstheorien unterwegs sind. Wir ersetzen nicht das Gericht. Wir wollen und können nicht das Verfahren vorher aufklären. Aber mir geht es um die Umstände der Affäre, um das Drumherum. Was hat er eigentlich von wem erfahren? Und über welche Kanäle? Das sind sehr wichtige Gesichtspunkte.

Mit Armin Schuster

sprach Hagen Strauß