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"Schulz kann SPD motivieren und mobilisieren"

Rudolf Korte
Rudolf Korte FOTO: dpa
Berlin. Nach Einschätzung des Duisburger Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte ist den Sozialdemokraten mit der Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten ein geschickter Schachzug gelungen, der der Union im Wahlkampf noch Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Herr Korte, hat Sigmar Gabriel mit seinem Rückzug richtig gehandelt? Ja. Mit Karl-Rudolf Korte sprach Stefan Vetter

Gabriel ist ein gewiefter Stratege und immer für Überraschungen gut. Mit Schulz sind die Wahlchancen der SPD eindeutig gestiegen. Das zeigt schon die Tatsache, dass er bei den eigenen Parteimitgliedern beliebter ist.

Das heißt, Angela Merkel muss sich jetzt warm anziehen?
Auf jeden Fall kann Martin Schulz stärker mobilisieren. Es wirkt wie ein Befreiungsschlag in der Phase der Deprimierung. Die eigenen Parteigänger dürften jetzt deutlich motivierter in den Wahlkampf gehen. Für die amtierende Kanzlerin wäre Gabriel als Kanzlerkandidat zweifellos bequemer gewesen. Die Union muss sich nun darauf einstellen, überhaupt mal wieder einen Wahlkampf zu führen.

Wie meinen Sie das?
Angela Merkel steht international im Moment als letzte Vernunftspolitikerin da. In Nachbarländern wie Frankreich oder den Niederlanden drängen die Rechtspopulisten an die Macht. Daraus eine Wahlkampfmelodie mit Merkel zu entwickeln, bedeutet, mit aller Kraft auf das Bestehende sichernd und rational zu setzen. Um bei der Union zu mobilisieren, braucht man aber auch eigene Themen als Legitimation für vier weitere Jahre. Dieser Mühe musste sich die Union bislang nicht unterziehen. Ihr Thema hieß ausschließlich Merkel. Das dürfte sich nun ändern.

Inwiefern?
Der anstehende Wahlkampf wird ideologischer werden. Auch strittiger und emotionaler. Und genau das kann Merkel nicht wirklich gut.

Innenpolitisch ist Schulz aber noch ein unbeschriebenes Blatt - ein Vorteil für die Union?
Schulz ist frei, um Merkel politisch attackieren zu können. Er muss sich ja keiner Kabinettsdisziplin unterordnen, da er der Bundesregierung nicht angehört. Das ist ein Vorteil.