Der Aufsichtsrat des BER und die Geschäftsführung haben sich offenbar zu einer Art Neuanfang entschlossen. Das Aufsichtsgremium hatte am Freitag zuerst einen Bericht der Geschäftsführung diskutiert, in dem ein Terminkorridor zur Inbetriebnahme im zweiten Halbjahr 2017 festgeschrieben ist.

"Wir waren von Anfang an entschlossen, dabei auch nicht alles zu schlucken, was uns vorgelegt wurde", sagte Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider, der die Aufsichtsratssitzung in Motzen leitete. Der Aufsichtsrat habe der Geschäftsführung alle Unterstützung zugesagt, um das Ziel zu erreichen.

Mehdorn und sein Technikchef Jörg Marks hatten davor eine Schrittfolge der zu erledigenden Arbeiten vorgestellt.

Jetzt seien überprüfbare Meilensteine erarbeitet worden, deren Abarbeitung auch öffentlich kommuniziert werden soll. Die Geschäftsführung muss nicht nur in jeder Sitzung des Aufsichtsrats ihren Zielerreichungsgrad genau darstellen. Darüberhinaus, soll ab sofort auch die Öffentlichkeit detailliert über alle einzelnen Baufortschritte informiert werden.

BER-Technikchef Jörg Marks erläuterte vor der Presse gestern noch einmal umfassend, wo die größten Herausforderungen liegen. So müssten beispielsweise 800 einzelne Architekten- und etwa 8000 einzelne Ausführungspläne "sauber übereinandergebracht werden", sagte Marks. Da gehe es alleine um etwa 2,5 Millionen einzelne Dokumente. All diese Planungen sollen Mitte kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Mehdorn und Marks sind sicher, dass die notwendigen Bauarbeiten dann ein Jahr später abgeschlossen werden können. Dann soll die Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens starten, die mit allen Tests, Probeläufen und Abnahmen noch einmal zwölf Monate in Anspruch nehmen werde.

Im weiteren Verlauf der Aufsichtsratssitzung hatte BER-Chef Hartmut Mehdorn von dem Gremium eine schnelle Entscheidung über notwendige Erweiterungen und damit verbundene Investitionen in mehr Check-in-Schalter und Gepäckbänder gefordert. "Bereits bei der Eröffnung ist der Flughafen überlastet, weshalb eine sichere Inbetriebnahme stark gefährdet ist", warnte Mehdorn in seiner Präsentation für den Aufsichtsrat.

Ob Hartmut Mehdorn selbst an der jetzt im zweiten Halbjahr 2017 geplanten BER-Eröffnung noch als Geschäftsführer teilnimmt, wollte er nicht sagen. Sein Vertrag läuft bis Februar 2016. "Das ist jetzt kein relevantes Thema", sagte Mehdorn auf eine entsprechende Journalistenfrage. Inzwischen verdichten sich auch die Hinweise darauf, dass die Flughafengesellschaft die Berufung gegen das Urteil des Berliner Landgerichts zur Entlassung des ehemaligen Flughafenchefs Rainer Schwarz zurückzieht.

Schwarz hatte gegen seine Entlassung erfolgreich geklagt. Dem früheren BER-Chef steht damit sein Geschäftsführer-Gehalt von monatlich fast 30 000 Euro bis zum Mai 2016 zu.

Der scheinbar absurde Rückzieher hat einen nachvollziehbaren finanziellen Hintergrund. Schwarz' Weiterbezahlung ist offenbar die preiswerteste Lösung. Die Gesellschafter wollen nämlich teure Schadensersatzforderungen beispielsweise von Fluggesellschaften verhindern. Die wären zu erwarten, wenn ein Berufungsgericht Schwarz "schwere Managementfehler" attestieren würde.