Fisher, Lehrer aus Hamburg, seit 13 Jahre im Brandenburger Bildungsministerium tätig, lässt die Zuhörer bei seiner Vorstellung in Neuzelle nicht mehr aus dem Staunen herauskommen. Eifrig wird mitgeschrieben, was bereits im August Wirklichkeit werden soll. Ab kommenden Dienstag können sich Schüler in einem Rahn-Büro im Kloster für die 7. Klasse anmelden - je nach Bewerberzahl wird mit einer oder zwei Klassen begonnen.
Nach dem jahrelangen Hick-Hack bei der Suche nach einem privaten Träger des deutsch-polnischen Gymnasiums (die RUNDSCHAU berichtete) hatte wohl niemand mehr so recht an ein positives Ende geglaubt. Denn fest stand schon lange: Die Schule in den ehrwürdigen Klostermauern ist ein Auslaufmodell. Der Landkreis Oder-Spree kann sich das vor zwölf Jahren gegründete deutsch-polnische Gymnasium aufgrund sinkender Schülerzahlen nicht mehr leisten. "Die Verunsicherung unter Eltern und Schülern ist groß. Doch nun sollten sie die neue Chance nutzen", meint Landrat Manfred Zalenga. Die Motivierung tut Not, hatten sich viele Eltern bereits umorientiert, ihre Kinder bei anderen Bildungseinrichtungen angemeldet, so dass es für eine neue 7. Klasse in Neuzelle kaum noch Interessenten gab.
Schuld daran waren wohl vor allem die zähen Verhandlungen mit dem Land. Da nach dem Brandenburger Schulgesetz das Land Personalkosten-Zuschüsse für Schulen in freier Trägerschaft erst zwei Jahre nach dem Start zahlt, sprangen sowohl das Christliche Jugenddorfwerk als auch der ASB Annaberg-Buchholz ab. Die Rahn-Schulen ließen glücklicherweise, wie es Kreis-Bildungsdezernentin Ilona Weser sichtlich erleichtert formuliert, nicht locker und besserten ihr Konzept immer wieder nach.
Allerdings müssen nun zunächst kleinere Brötchen gebacken werden. "Wir hätten gern das komplette Gymnasium zum neuen Schuljahr übernommen. Finanziell ist das ohne Landesunterstützung aber nicht machbar", bedauert Iris Pohlenz, Bildungsdirektorin des neuen Trägers. So aber starte man mit der 7. Klasse, der Kreis behält den Rest des Gymnasiums noch zwei Jahre. Danach können auch die übrigen Schüler der höheren Klassen zum Rahn-Projekt kommen oder wahlweise an eine staatliche Bildungseinrichtung in Eisenhüttenstadt oder Beeskow wechseln.
Doch auch Schüler "von außerhalb" sollen angelockt werden - nicht nur aus Polen. Die Rahn-Schulen tragen bereits eine Bildungseinrichtung in Zielona Gora, mit der Neuzelle eng kooperieren soll. Das Gymnasium wird laut Pohlenz auch anderen Nationalitäten offen stehen. In der ehemaligen Kloster -Kanzlei soll ein Internat eingerichtet werden. Ein Kooperationsvertrag besteht bereits mit der Eko Stahl GmbH, durch die Zusammenarbeit mit den Universitäten in Frankfurt, Potsdam, Cottbus und Freiberg orientiert sich der Träger auf die Hoch begabten-Förderung.
Ein Wermutstropfen: Das Land will sich aus der Förderung der deutsch-polnischen Schulprojekte zurückziehen. Finanzen zur Betreuung der Gymnasiasten aus Polen wird es ab 2006 nicht mehr geben. Walter Ederer, Geschäftsführer der landeseigenen Stiftung Stift Neuzelle, ist dennoch optimistisch. Für ihn ist zunächst wichtig, dass die Stiftung auch künftig wirtschaftlich arbeiten kann. Das Gymnasium garantiert langfristig Mieteinnahmen in sechsstelliger Höhe.

Hintergrund Der Schulträger
 Die gemeinnützige Schulgesellschaft Rahn&Partner aus Leipzig betont, dass sich der Unterricht im europäischen Gymnasium hinter Klostermauern vor allem durch Praxisnähe auszeichnen wird. Weiterhin wird auf die Vermittlung von breitem Allgemeinwissen sowie ein intensives Schüler-Lehrer-Verhältnis verwiesen. Zugleich haben die Schüler die Möglichkeit, sich einen frei gestalteten Tages- und Wochenplan zu erstellen.