Alles in allem sei der Tag trotz des Streiks in geordneten Bahnen verlaufen. Statt des regulären Unterrichts habe es aber lediglich eine „pädagogische Betreuung“ für die Kinder gegeben.Wie in der 4. Grundschule in der Dresdner Neustadt ist am Freitag auch in vielen anderen Schulen im Land der Unterricht ausgefallen oder konnte nur eingeschränkt stattfinden. Laut Sächsischem Lehrerverband (SLV) sind rund 20 000 Lehrer an diesem Tag nicht zur Arbeit gegangen. Etwa 1000 der 1400 öffentlichen Schulen im Land haben sich an den Streiks beteiligt.

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Die meisten der streikenden Lehrer, rund 16 000, sind am Vormittag gemeinsam mit 2000 Verwaltungsangestellten, Polizisten und Unimitarbeitern vor dem Finanzministerium in Dresden zusammengekommen, um ihren Unmut über die festgefahrenen Tarifverhandlungen kundzutun. „Pisa Platz 1 – Bezahlung Platz 16“ und „Geld für Bildung statt für Banken“ steht auf ihren Transparenten. Ihre Forderung: Eine „gerechte Bezahlung“ für die Landesbeschäftigten nach dem Vorbild des Tarifabschlusses für die Angestellten bei Bund und Kommunen vom vergangenen Jahr.

„Die Lohnerhöhung ist überfällig“, ruft der Vorsitzende der dbb tarifunion, Frank Stöhr, in die Menge. Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes hätten in den vergangenen Jahren erhebliche Reallohnverluste hinnehmen müssen. Die Weigerung der Arbeitgeberseite, auf die Forderungen einzugehen, bezeichnet Stöhr als „Blockadepolitik“, das Angebot von Arbeitgeber-Verhandlungsführer Hartmut Möllring (CDU) als „blanken Hohn“.

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Stöhrs kämpferische Rede wird begleitet von einem Trillerpfeifenkonzert und von Beifallsbekundungen. Besonders geladen wirkt die Stimmung, als Stöhr auf den Rettungsschirm für Banken zu sprechen kommt. Es sei „nicht nachvollziehbar“, dass Milliarden zur Rettung der Banken bereitgestellt werden, acht Prozent mehr für die Landesbeschäftigten aber zu viel sein sollen.

Derzeit wisse niemand, ob der Rettungsschirm überhaupt Wirkung zeigen werde, sagt GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad. Eine Tariferhöhung sei dagegen „ein Konjunkturprogramm, das bei den Richtigen ankommt“. Schaad verweist auf die Einkommensunterschiede im Vergleich zu anderen Bundesländern. Dies führe zur Abwanderung vor allem junger Lehrer. Schaad kündigt an, „auch mehr und länger Druck zu machen, sollten die Verhandlungen auch in dieser Runde scheitern“.

Unterstützung erhalten die Streikenden unter anderem von den Grünen, der Linken und der SPD im sächsischen Landtag. Sachsen müsse auch in Zukunft attraktiv für junge Lehrer bleiben, sagt die Grünen-Bildungspolitikerin Astrid Günther-Schmidt vor dem Hintergrund der jüngsten Abwerbungskampagnen. Stefan Brangs von der SPD sagt, wer in die Bildung der Kinder investieren wolle, müsse die Lehrkräfte auch ordentlich bezahlen.

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In der Bevölkerung stoßen die Proteste indes nicht immer auf Verständnis. „Ihr habt doch gar keinen Grund zu streiken“, ruft ein Passant den Streikenden zu. „Euer Arbeitsplatz ist doch wenigstens sicher.“

Am Wochenende gehen die Tarifverhandlungen für die rund 700 000 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes der Länder (außer Hessen und Berlin) in Potsdam in die vierte Runde. Bisher bieten die Arbeitgeber 4,2 Prozent mehr Lohn ab Juli und eine Nullrunde für das Jahr 2010. Die Gewerkschaften wollen acht Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 200 Euro mehr.