Im Freistaat Sachsen wird es im neuen Schuljahr etwa 6000 Schüler mehr geben. Darunter sind 4000 Flüchtlingskinder. Für sie hat die Bildungsagentur 290 Vorbereitungsklassen im ganzen Land eingerichtet - 50 mehr als noch vor den Ferien. Im Laufe des Schuljahrs, so erwartet Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU), werden mehr als 5000 Flüchtlingskinder in Sachsen lernen. "Deshalb läuft unser Einstellungsverfahren für zusätzliche Lehrer weiter." Sachsens Schulen werden internationaler.

50 neue Lehrkräfte will Kurth allein für die Flüchtlinge einstellen - diese Stellen sind befristet bis Ende des Schuljahrs. Um genug Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache zusammenzukriegen, startet das Ministerium demnächst Fortbildungskurse.

Leicht dürfte die Lehrerfindung nicht werden, denn zu Beginn des Schuljahrs ist der Nachwuchs an Lehramtsanwärtern so weit abgegrast. Für die 1000 Stellen, die das Kultusministerium einrichten konnte, geeignete Bewerber zu finden, war nicht einfach. Drei Dutzend Stellen sind deshalb noch frei. Kurth setzt nun auf die Gymnasial- und Berufsschullehrer, die noch nicht untergekommen sind.

Für die Zukunft will die schwarz-rote Staatsregierung mehr Lehrernachwuchs ausbilden. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) hat bereits angekündigt, 2000 zusätzliche Lehramtsstudienplätze zu schaffen. Darüber müsse nur noch mit den Hochschulen verhandelt werden. Die Mittel dazu sollen aus dem Bildungspaket 2020 fließen. "Zur Verbesserung der Lehrerversorgung gehört auch ein Seiteneinsteigerprogramm, das ein Studium parallel zum Beruf möglich macht", so Stange.

Seiteneinsteiger in die Klassen zu schicken, ist aber umstritten. Wo geeignete Lehramtsabsolventen fehlen, stellt die Bildungsagentur diplomierte Chemiker, Mathematiker oder Physiker ein. Auch fangen etliche Gymnasial- und Berufsschullehrer nun erstmal an den Grundschulen und Oberschulen an. Die Opposition ist skeptisch. Die Linken-Landtagsabgeordnete Cornelia Falken beobachtet mit Sorge eine "Tendenz, dass der Lehrerberuf zu einem learning by doing" gerät. Die Grüne Claudia Maicher hält Kurths Einstellungsflexibilität für ein "Alarmsignal".

Bis 2019 will Sachsens CDU-SPD-Koalition 6100 Lehrer unbefristet einstellen. Der Lehrernachwuchs ist indes anspruchsvoll. 70 Prozent der Bewerber wollen ausschließlich in Leipzig und Dresden arbeiten. Ein Problem, das sich trotz diverser Anreizprogramme noch nicht gelöst hat. "Vielleicht ist es ein bissl Bequemlichkeit", die die jungen Akademiker in den Metropolen hält, sagt der CDU-Bildungsexperte Lothar Bienst. "Man hat sich als junger Mensch im Studium an städtische Annehmlichkeiten gewöhnt und denkt, dass das immer so weitergehen muss."

Über den Verdienst könne man keine Zusatzmotivation schaffen, um die Jung-Lehrer aufs Land zu locken, dagegen sprechen die Tarifvereinbarungen. Aber ein Stipendien-Programm hat die schwarz-rote Staatsregierung auf den Weg gebracht. Die Idee: Wer sich für den Einsatz auf dem Land und für benötigte Fächerkombinationen entscheidet, bekommt mehrere Hundert Euro Ausbildungsbeihilfe. Wer sich das hinterher anders überlegt, muss zurückzahlen.

Dass Jung-Lehrer am liebsten nur in den Schulen der großen Städte arbeiten wollen, kennt man auch im Potsdamer Bildungsministerium. "Am liebsten alle in Potsdam", sagt Pressesprecher Florian Engels. Bildungsminister Günter Baaske (SPD) wird auch darauf auf seiner Pressekonferenz zum Schuljahresstart am kommenden Donnerstag eingehen. Denn auch Brandenburg hat die Zielvorgabe, 1000 zusätzliche Lehrer für 2015/16 einzustellen, noch nicht ganz erfüllt. "Auch in den Vorjahren", so Engels, "sind die Einstellungen im laufenden Schuljahr weitergegangen. Das wird auch diesmal so sein."

Zu den Prioritäten, die das Land Brandenburg 2015/16 setzen will, gehört zudem die Berufs- und Studienorientierung. Damit kommt Brandenburg Forderungen aus der Wirtschaft und von den Hochschulen nach.

Kommentar: Etwas Pioniergeist, bitte