Nach der Erstürmung der Stasi-Zentrale vor 23 Jahren werden an dem historischen Ort in Berlin-Lichtenberg am heutigen Dienstag rund 340 Schüler erwartet. Erstmals wird mit einem Projekttag für junge Menschen an den 15. Januar 1990 erinnert, wie die Stasi-Unterlagen-Behörde auf Anfrage mitteilte.

Damals hatten aufgebrachte DDR-Bürger nach dem Mauerfall die Stasi-Zentrale an der Normannenstraße gestürmt und säckeweise Akten vor der Vernichtung gerettet. Sie besiegelten damit das endgültige Aus des Spitzelministeriums. Die sichergestellten Unterlagen bildeten die Basis für die Stasi-Unterlagen-Behörde. Der Tag steht unter dem Motto "Stasi - was geht mich das an?" Der 15. Januar sei eine gute Gelegenheit, mit der jungen Generation über die SED-Diktatur zu sprechen, sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, nach Angaben einer Sprecherin. In dem authentischen Ort sei zu erfahren, was Diktatur bedeute.

Sprecherin Dagmar Hovestädt wies darauf hin, dass mit den Schulklassen am Dienstag die Kapazitäten ausgereizt seien. Mehr Besucher könnten nicht verkraftet werden. Die Schüler kommen aus Berlin und Brandenburg. Sie können im Stasi-Museum im Haus 1 das original erhaltene Büro von Stasi-Chef Erich Mielke oder das Archiv mit Millionen Aktenblättern besichtigen. Auch eine Ausstellung zur DDR-Jugendopposition ist zu sehen. Jahn wird mit den Schülern diskutieren.

Die Stasi, die sich als "Schild und Schwert" der herrschenden SED-Partei verstand, residierte seit 1961 hermetisch abgeriegelt von der Öffentlichkeit - mit bis zu 7000 hauptamtlichen Stasi-Mitarbeitern.

Indes ist das Interesse an den Stasi-Unterlagen ungebrochen. Bei der Jahn-Behörde gingen 2012 genau 88 231 Anträge auf persönliche Akteneinsicht ein.