Daher gehören diese alten medizinischen Techniken zur dreijährigen Ausbildung an der privaten Dresdner Bildungseinrichtung. Doch das Spektrum umfasst heute die gesamte Bandbreite traditioneller und moderner Methoden bis hin zur Physiotherapie und zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), einschließlich der Akupunktur.
Die Schule wurde 1991 als "Bombastus Heilpraktikerschule" gegründet und ist Mühlberg zufolge die einzige Einrichtung in Ostdeutschland, die eine dreijährige Vollzeit-Ausbildung zum Heilpraktiker anbietet. Mehr als 3000 Stunden büffeln die rund 50 Studenten medizinische Grundfächer und naturheilkundliche Fächer. Voraussetzung ist ein Haupt- oder Realschulabschluss.
Im dritten Ausbildungsjahr erhalten die Absolventen dann Gelegenheit, im schuleigenen Ambulatorium selbst Patienten zu behandeln. Zusammen mit erfahrenen Heilpraktikern als Dozenten werden Diagnosen erstellt und individuelle Therapiepläne erarbeitet. Die Ausbildung kostet rund 240 Euro im Monat. Bevor die Absolventen eine eigene Praxis eröffnen können, steht in Sachsen eine amtsärztliche Überprüfung an. Die individuelle Vorbereitung auf diese Prüfung gehört zum Unterrichtsprogramm, erläutert der Schulleiter.
Die Schule hat jetzt beschlossen, den Namen "Bombastus" abzulegen. Das heißt nicht, dass man den Lehren des Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493 bis 1541), "abschwört", der Menschen als körperlich-seelische Einheit ansah und wichtige chemotherapeutische Methoden in die Medizin einführte. Mühlberg: "Es gab in der Vergangenheit immer wieder Verwechslungen mit den Freitaler Bombastus Werken AG. Wie waren aber nie eine betriebliche Ausbildungsstätte des bekannten Herstellers von Naturheilmitteln."
Auf die Frage, warum ausgerechnet in Dresden die Schule eingerichtet wurde, antwortet Mühlberg: "Die Region blickt auch eine jahrhundertealte naturheilkundliche Tradition zurück, verbunden mit Namen wie Hahnemann, Bilz und Lahmann". Paracelsus ist also nicht der einzige "Säulenheilige", auf den sich die Schule beruft. Auch die angeblich von Hippokrates begründete und von Paracelsus abgelehnte "Säftelehre" ist Bestandteil des Lehrplans.
In den medizinischen Grundfächern erhalten die Studenten Kenntnisse über Anatomie sowie die Funktionen des Bewegungsapparats, der Atmung, der Verdauung und des Herz-Kreislauf-Systems. Grundkenntnisse über Notfallmedizin und erste Hilfe gehören ebenso dazu wie klinische Biochemie, Rheumatolgie und Psychologie. Im Bereich Natuheilkunde geht es um die Augendiagnostik, der klassischen Domäne der Heilpraktiker. Wichtig ist auch das individuelle Eingehen auf den Patienten, was erhebliche soziale Kompetenz voraussetzt, laut Mühlberg eine der "Grundvoraussetzungen für den Beruf".
Integriert in die Ausbildung sind auch klassische Massage, Lymphdrainage, Hydrotherapie nach Sebastian Kneipp und Fußreflexzonentherapie. Und, wie gesagt, auch Schröpfen und Aderlassen will gelernt sein, betont der Schulleiter. Übrigens: Blutegel werden heute nicht mehr im Tümpel gefangen, sondern speziell für medizinische Zwecke gezüchtet. Ihr Einsatz ist angeblich weniger schmerzhaft als eine Spritze beim Hausarzt, versichert Mühlberg, der selbst auch praktizierender Heilpraktiker ist. Ob das alle Patienten so gelassen sehen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Und da kann dann psychologisches Einfühlungsvermögen des Therapeuten nur von Nutzen sein. Im Internet: www.dresdner-heilpraktikerschule.de