Darin will Schröder sich jetzt auch nicht von dem Protest der Gewerkschaften beirren lassen. "Der Kanzler hat sich festgelegt", sagt Regierungssprecher Thomas Steg. Schon an diesem Mittwoch soll der Gesetzentwurf zur Lockerung des Ladenschluss das Kabinett passieren.

Gewerkschaften sagen nein
Für die Gewerkschaften ist das Thema von jeher ein rotes Tuch. Und so bekräftigte DGB-Chef Michael Sommer auch sofort nach dem Treffen mit dem Kanzler seine Ablehnung. Ungleich kämpferischer als Sommer meldete sich jedoch die Dienstleistungsgewerkschaft verdi zu Wort. Massiven Widerstand kündigte sie an und nannte das Vorhaben po-
pulistisch.
Vorstöße für die umstrittene Gesetzesänderung gab es viele. Erst vor zwei Jahren hatten sich die Länder darauf geeinigt, Geschäftszeiten in der Woche bis 22 Uhr und samstags bis 20 Uhr zu erlauben. Nur der Sonntag sollte restriktiv gehandhabt werden. Alle politischen Lager sind inzwischen für eine Lockerung und die großen Einzelhandelsverbände erst recht. Allein die Gewerkschaften halten an ihrem Widerstand fest. Die Länderinitiative wurde damals schließlich durch ein Machtwort von Bundeskanzler Gerhard Schröder gestoppt. Die Sprachregelung hieß: Die Regierung sehe beim Ladenschluss keinen vordringlichen Reformbedarf.
Jetzt braucht der Kanzler die Gewerkschaften, um der schlechten Stimmung bei Bürgern und Wirtschaft zu begegnen. "Läden sollen samstags länger öffnen" - das ist wenigstens mal eine positive Schlagzeile in einer Flut von immer neuen Hiobsbotschaften.
Angesichts der vielen größeren und kleineren "Grausamkeiten", die auf das Wahlvolk zukommen, will die Regierung damit ein Signal setzen. Denn die Lockerung des Ladenschlussgesetzes kostet sie nichts, gilt aber als Schritt mit großem Symbolwert. Und die Adventszeit ist dafür auch genau der richtige Zeitpunkt. Wenn die Kauflust damit tatsächlich beflügelt würde, wäre das umso besser. Gespräche mit den Gewerkschaften müssen jetzt noch folgen. In der SPD-Fraktion sind 74 Prozent Mitglied einer DGB-Gewerkschaft.

Kaufhaus trotzt Verbot
Galeria Kaufhof in Chemnitz hat gestern unterdessen trotz gesetzlichen Verbots ihre Türen für den Adventseinkauf geöffnet. "Wir lassen uns von Bußgeldandrohungen nicht abschrecken", sagte Geschäftsführer Hans-Michael Bohnemeier. "Wir möchten den Chemnitzern und den Besuchern der Stadt gerade in der Adventszeit die Möglichkeit zum entspannten Familieneinkauf am gesamten Wochenende ermöglichen", sagte er. Von Strafen für die Sonntagsöffnung gehe er nicht aus, da Kaufhof Widerspruch gegen die Bekanntmachung der Stadt eingelegt habe.