Denn an nur einem Tag traf Schröder fast die gesamte politische Elite des Landes, einschließlich Präsident Mahmud Ahmadinedschad und dessen Herausforderer Mohammad Chatami.Über die Gespräche mit den Kabinettsmitgliedern wurde in Teheran fast nichts berichtet. Das Treffen mit Ahmadinedschad drohte Gerüchten zufolge sogar ganz zu platzen. Hintergrund war offenbar die Rede Schröders zuvor in der iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran. Dort hatte er den Präsidenten für dessen israel-feindliche Bemerkungen und die Leugnung des Holocaust kritisiert. "Der Holocaust ist eine historische Tatsache, und es macht keinen Sinn, dieses einmalige Verbrechen zu leugnen." Die iranische Seite konterte mit der Forderung an Schröder und den Westen, den Konflikt im Nahen Osten nicht mit zweierlei Maß zu messen und auch die israelischen "Aggressionen", wie die jüngsten Militärangriffe im Gazastreifen, zu verurteilen. Ahmadinedschad war anscheinend über die Kritik im eigenen Land gar nicht erfreut. Das Treffen fand zwar letztlich statt, aber in einer offensichtlich angespannten und doch eher kühlen Atmosphäre.Ganz anders war das Treffen Schröders mit Ahmadinedschads Herausforderer Mohammad Chatami. Die beiden begrüßten sich sehr herzlich, plauderten über gemeinsame Zeiten im Amt, lachten viel. Es wurde sogar kurz Deutsch gesprochen - Chatami war vor der islamischen Revolution von 1979 Leiter der islamischen Moschee in Hamburg. "Als wir beide noch im Amt waren, waren die bilateralen Beziehungen bestens und auch im Atomstreit versuchten beide Seiten das Thema über diplomatische Kanäle zu lösen", sagte Chatami, der bei den Präsidentenwahlen am 12. Juni als Vertreter der reformorientierten Opposition gegen Amtsinhaber Ahmadinedschad antreten will.