Danach sollen beim Strafverfahren gegen den nach Kanada geflüchteten Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber irgendwelche dunklen Kräfte oder geheimen Dienste die Finger im Spiel haben. Indizien dafür gibt es einige.
Die jüngste Panne ist dafür bezeichnend. Da schickten die französischen Justizbehörden am 10. August brisante Unterlagen von Paris nach Augsburg, die am Tag der Festnahme von Pfahls in dessen Pariser Wohnung sichergestellt worden waren. Drei Tage später fielen einer Postarbeiterin in Frankfurt lose Aktenstücke auf einem Postförderband auf: Es waren die Pfahls-Dokumente. Auf dem Weg nach Augsburg waren sie irgendwo aus der verschnürten Verpackung gelöst und wohl gelesen worden.
Wer konnte Interesse haben, die Pfahls-Schriftstücke zu lesen, unter denen sich ein Verzeichnis von Codenamen befunden haben soll? Pfahls war fünf Jahre auf der Flucht vor den erfolgreichen Zielfahndern des Bundeskriminalamtes, bevor er am 13. Juli in Paris geschnappt wurde. Insider meinen, so lange könne man sich nur mit sehr starker Unterstützung befreundeter Agenten den Fahndern entziehen. Tatsächlich war Pfahls von August 1985 bis April 1987 höchster Verfassungsschützer der damaligen Bundesrepublik und damit Kenner der Geheimdienste.
Eine weitere Merkwürdigkeit rankt sich um den verurteilten Politikersohn Max Strauß und dessen Verflechtungen mit Schreiber-Be-stechungsgeldern. Strauß war offenbar vor einer bevorstehenden Wohnungsdurchsuchung gewarnt worden. Er hatte seinerseits in einem ominösen Nachtbesuch die Frau des befreundeten damaligen Wirtschaftsstaatssekretärs Erich Riedl (CSU) vor einer Durchsuchung wegen Schreiber-Geldern auf „Schweizer-Konten“ gewarnt. Die Computer-Festplatte von Strauß war vor der Durchsuchung plötzlich durch ein Virus zerstört worden.
Und als diese im Januar 1996 beschlagnahmte Festplatte im März 2000 zur Rekonstruktion zum Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gebracht werden sollte, war sie nicht mehr auffindbar und ist bis heute verschwunden.
Schreiber selbst konnte sich dem Zugriff der deutschen Justiz rechtzeitig entziehen, als es für ihn in Bayern brenzlig wurde. Zunächst flüchtete er in die Schweiz und dann nach Kanada. Ein Auslieferungsverfahren läuft.
Das Auslieferungsverfahren Schreiber ist mit einer weiteren Merkwürdigkeit verbunden. Als die deutsche Justiz vor fünf Jahren einen Auslieferungsantrag und eine Dokumentenpaket nach Kanada schickte, kam nur der Antrag fristgerecht an, das Paket aber nicht. Diese Urkunden tauchten erst später in einem Frachtraum der Air Canada auf, die Verpackung war beschädigt, wie jetzt bei den Pfahls-Unterlagen. Nachforschungen blieben ergebnislos.
Ein Augsburger Staatsanwalt sagte, dass es jetzt gerade bei den Pfahls-Akten wieder zu so einem mysteriösen Vorfall gekommen sei, sei „merkwürdig und wirklich ärgerlich“. Pfahls ist angeklagt, von Schreiber Bestechungsgelder in Höhe von 3,8 Millionen Mark für Panzergeschäfte erhalten und nicht versteuert zu haben.