Die Gaststättenkontrolle, bei den Landkreisen und kreisfreien Städten angesiedelt, wird vorerst nicht dem Vorbild des Berliner Bezirks Pankow folgen, der kürzlich die bei Kontrollen festgestellten Beanstandungen im Internet veröffentlichte. Zu dieser Einschätzung kommt der Sprecher von Verbraucherminister Dietmar Woidke (SPD). Denkbar wäre es allerdings jederzeit, dass sich auch ein Brandenburger Kreis dem Berliner Modellprojekt anschließt. Und Woidke hat inzwischen auch seine "Sympathie" für die Veröffentlichung bekundet. Er rechnet damit, so Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade, dass nicht nur in einzelnen Berliner Bezirken, sondern auch in Brandenburg in absehbarer Zeit zumindest einige der Erkenntnisse veröffentlicht werden, die bei den Kontrollgängen der Lebensmittelaufsicht in den Gaststätten anfallen. Wann dies sein könnte, bleibt allerdings offen. Inzwischen machen Abgeordnete und Parteigliederungen mit ihren Forderungen Druck. Die Cottbuser SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Kircheis etwa forderte "keine Chance für Ekelläden" - genau so wie ihre Kollegin Renate Adolph von der Linksfraktion. Für die CDU hat sich die Junge Union zu Wort gemeldet. Kircheis allerdings verlangt zunächst einmal, man solle "die weitere Überprüfung in Berlin abwarten". Ohne Wenn und Aber wollen dagegen die linke Opposition und die jungen Christdemokraten die in den Ämtern liegenden Listen veröffentlicht sehen. Berlin macht's vorDie Aktion des Berliner Bezirksamtes Pankow hatte erhebliche Aufregung verursacht. Auf sieben Seiten sind dort Dutzende von Gaststätten und Imbissen aufgelistet, die den Kontrolleuren auffielen. Ebenfalls einsehbar ist das Datum der Kontrolle und die genaue Beschreibung der Mängel. Der Berliner Gastsstättenverband hatte vergeblich versucht, die Veröffentlichung zu verhindern. Der Referatsleiter für Lebensmittelüberwachung in Brandenburg, Lutz Desselberger, bewertet eine mögliche Veröffentlichung solcher Listen "grundsätzlich positiv". "Dann wüsste der Verbraucher, wo die Schmuddelbude ist", sagte er am Freitag. Rechtliche BedenkenDie Entscheidung über die Listen liege bei den Kreisen und kreisfreien Städten, sagte Desselberger. Noch am Freitag wollte sich das Ministerium schriftlich mit den Kommunen in Verbindung setzen. "Die Kreise sind aber bislang sehr zurückhaltend." Grund seien mögliche rechtliche Probleme. Zum Beispiel müssten betroffene Betreiber stets angehört werden, bevor sie auf eine Negativliste gesetzt werden dürften. Diese Listen seien jedoch keine "Wunderwaffe". "Bei wirklich ernsten Mängeln muss ein Laden geschlossen werden", sagte Desselberger. In solchen Fällen sei eine vorherige Anhörung "absurd". Wenn ein Betreiber seine Gaststätte nicht schließen, jedoch Mängel beseitigen müsse, werde er einige Tage später erneut kontrolliert. Bis dahin könne er auf einer "Schmuddel-Liste" erscheinen. Der Referatsleiter sprach sich sogar für eine Erweiterung von Negativlisten aus. "Warum sollen darauf nur Gaststätten und nicht alle Lebensmittelbetriebe, wie zum Beispiel Fleischereien, stehen?"