Ihre Organisatoren sehen sich eindeutig auf der Siegerstraße und starten einen neuen Appell an alle Menschen in diesem Lande, mitzutun beim Endspurt zu einer gelungenen Weltmeisterschaft.
Wer es bislang noch nicht mitbekommen hat, den werden Fernsehspots und Plakate in den verbleibenden Wochen aufklären. Deutschland rollt den roten Teppich aus und "vom Koch bis zum Zimmermädchen" wird diese Nation ein Land des Lächelns. Man habe leider bei Umfragen festgestellt, dass den Deutschen zwar Gründlichkeit und Organisationstalent nachgesagt werden, es aber mit der Freundlichkeit zumindest von außen betrachtet noch nicht zum Besten bestellt sei. Deswegen haben jetzt die Bundesregierung, aber auch "die ganze Kette der Tourismusindustrie" eine Kampagne organisiert - natürlich in der bekannten Gründlichkeit und unter Einsatz des Staatssäckels.
Dies sei aber, so meinten die Fremdenverkehrsexperten, keine Subvention, sondern eine Zukunftsinvestition - zumindest dann, wenn der Gast aus fernen Ländern mit guten Erinnerungen wieder abreist und dann irgendwann wiederkommt.
Der typische WM-Besucher muss durch die Ansetzungen seiner Mannschaft sowieso quer durch Deutschland reisen, weil die Teams schon in der Vorrunde drei Spielorte haben. Da will man ihm jenseits dieser notwendigen Fußballwege auch noch den einen oder anderen Abstecher nahe bringen.
Unter dem Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" schult deswegen jetzt die Tourismusindustrie so viele Mitarbeiter wie nur möglich. Sie sollen zu kompetenten Auskünften über das Reiseland Deutschland befähigt werden.
Die Lausitzer wird es freuen, dass sie dabei einen durchaus prominenten Platz einnehmen. Die Fifa-WM-Stadt Berlin hat als wichtigste Ziele in der Umgebung neben den Potsdamer Schlössern und dem Filmpark Babelsberg nur noch den Spreewald genannt. Das sei, so heißt es in dem Schulungsmaterial, das Venedig Brandenburgs, eine der romantischsten Landschaften und die "schönste Ecke der Welt". Da waren tatsächlich wirkliche Liebhaber der Niederlausitz am Werke.
Auch wenn die Auswahl der wenigen Dutzend bedeutender architektonischer Werke etwas willkürlich erscheint, so werden sich die Cottbuser doch darüber freuen können, dass ihr Altmarkt in einer Reihe steht mit dem Heidelberger Schloss beispielsweise oder dem Kölner Dom, die ja beide Jahr für Jahr Millionen von staunenden Japanern und Amerikanern anziehen. Dass Cottbus da mit auf der Liste steht, während andererseits kein Ort in Sachsen-Anhalt genannt wird, ist bemerkenswert. Schließlich soll diese zentrale Kampagne der gesamten deutschen Tourismusindustrie nachhaltige Wirkung erzeugen und vor allem auch Impulse geben für das Geschäft nach der Weltmeisterschaft.
Einziger wirklicher Wermutstropfen war denn gestern bei der Vorstellung der Offensive der Gastfreundschaft lediglich der Zustand der deutschen Nationalmannschaft. Für Wirtschaftsminister Glos ist das inzwischen nicht länger nur eine Sache der nationalen Ehre, was sich auf dem Spielfeld abspielt.
Die Frauen hätten mit ihrem Titelgewinn ja gezeigt, was möglich sei und jetzt gehe es auch darum, ob der deutsche Mann wenigstens noch einigermaßen mithalten könne. Und natürlich spielte auch die jüngste Kontroverse um den Arbeitsstil von Bundestrainer Jürgen Klinsmann eine Rolle. Beckenbauer hatte den jüngsten seiner Nachfolger bereits am Vortag scharf kritisiert. Jetzt, wo die Großen der Fußballwelt gerade zu einem Workshop in Deutschland weilten, fehle ausgerechnet der Trainer des Gastgebers. Gestern nun blieb Beckenbauer dabei. "Das gehört sich einfach nicht", meinte der Kaiser.
Er ist ansonsten aber ganz sicher, dass die Deutschen sehr wohl ein freundliches Volk sein können und dies auch zeigen werden.