Empirische Untersuchungen zeigten, dass durch die Resozialisierung von Straftätern die Rückfallgefahr deutlich sinke. Somit sei Resozialisierung der beste Schutz für die Bevölkerung. Die CDU jedoch sieht mit den Lockerungen die innere Sicherheit Brandenburgs gefährdet.

Laut Schöneburg wollen zehn Bundesländer die Haftregeln für Schwerverbrecher lockern. So solle lebenslänglich verurteilten Straftätern bereits nach fünf Jahren im Gefängnis ein Langzeitausgang von bis zu 21 Tagen gewährt werden. Bislang galt ein Bundesgesetz, wonach Schwerverbrecher erst nach zehn Jahren Haft Urlaub bekommen dürfen. Infolge der Föderalismusreform müssten die Länder jetzt eigene Regelungen finden. Kerngedanke eines Musterentwurfs der ostdeutschen und weiterer Länder sei die Resozialisierung, sagte Schöneburg. Die Therapien sollten früher ansetzen und Lockerung sollte gezielter genutzt werden. Nach Ansicht von Wissenschaftlern sei das der Königsweg, um die Rückfallquote unter Straftätern zu verringern.

Der Minister wies darauf hin, dass bei Gefangenen schon nach vier, fünf Jahren in Haft sogenannte Hospitalisierungserscheinungen zu beobachten seien. Solche Negativeffekte könnten durch Haftlockerungen ausgeglichen werden. Zudem müssten die Menschen befähigt werden, in der Gesellschaft zu leben. Ein Langzeitausgang von lebenslang Verurteilten werde jedoch erst nach eingehenden Untersuchungen gewährt, betonte der Minister.

Aus Sicht des CDU-Rechtsexperten Danny Eichelbaum stellt Schöneburg die Interessen der Gefangenen vor die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung. Der Strafvollzug werde damit zum "Freizeitvollzug für Verbrecher". Die CDU lehne Lockerung für Gefangene mit lebenslanger Haftstrafe kategorisch ab. Maßstab müsse das Sicherheitsbedürfnis der Menschen sein. Lockerungen während der Haft seien kein Selbstzweck. Erst im März sei wieder ein Straftäter bei einem Freigang geflohen. Das zeige, dass die Justiz personell nicht in der Lage sei, Freigänge abzusichern.

Ob sich der Minister mit seinen Vorstellungen im rot-roten Kabinett durchsetzen kann, ist offen. Der Sprecher der SPD-Fraktion, Matthias Beigel, zeigte sich zurückhaltend. Der SPD-Fraktion liege noch kein konkreter Entwurf vor, sofern könne sie noch keine detaillierten Aussagen treffen. Grundsätzlich sei aber vor jeder Vollzugslockerung eine sehr restriktive Einzelfallbewertung durch die Justiz nötig.