Auch wir Journalisten, sonst längst an die elektronische Post gewöhnt, werden so darauf aufmerksam gemacht, dass die Briefträger nach wie vor einen bemerkenswerten Job ausfüllen und ihrerseits eine kleine Aufmerksamkeit an Weihnachten verdient haben.

Zwei Zuschriften sind mir in diesem Jahr besonders aufgefallen. Der grüne Landesverband hat das Problem mit dem rechtzeitigen, aber bitte doch angemessen späten Versand auf eigenwillige Art gelöst. „Zu früh? - Typisch grün“ heißt es da und das Ganze ziert ein Osterhase. Und die thüringische Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke, für die Sozialdemokraten die Sprecherin ostdeutscher Belange, bedruckt nicht nur ihre Grüße mit sehr schönen Fotos beispielsweise vom Reichstagsgebäude – sie hat die auch noch selbst geschossen.

Nicht annähernd so individuell und auch gar nicht lieb gemeint sind die Weihnachtsgrüße, die diverse Potsdamer Politiker der Linkspartei derzeit an die CDU-Vorsitzende Saskia Ludwig loslassen. Bei unterschiedlichsten Gelegenheiten fallen sie in komplizierten, aber jeweils genau gleichlautenden Sätzen über Ludwig her.

Eine der Potsdamer Tageszeitungen, die mit der größten Auflage, gibt dann immer auf ihren Lokalseiten die Botschaft weiter. Man darf jetzt gespannt sein, ob diese jetzt auch dutzendfach den Bibeltext widergibt, der in all den Kirchen des Landes am Heiligen Abend verlesen wird. Die ist nicht ganz so verschachtelt wie die linke Heilsbotschaft. Und sie wäre tatsächlich ein Zitat wert. Enthält sie doch mit „Fürchtet Euch nicht!“jene drei einfachen Worte, mit der der polnische Papst einst seine Landsleute aufforderte, die Kommunisten von der Bürde der Macht zu befreien.

Bei den Kommuniqués aus den linken Reihen zu Saskia Ludwig geht es übrigens immer darum, dass die CDU-Frau unter anderem wissen will, wie viele kommunistische Säulenheilige in Brandenburg noch zur Schau gestellt werden. Dabei fragt sie immer wieder auch nach den Perspektiven für die immer noch zahlreichen russischen Kriegsdenkmäler auf märkischem Boden.

Das wiederum hat einen Pastor, der hauptberuflich als SPD-Landtagsabgeordneter arbeitet, zu dem Hinweis veranlasst, dass Bilderstürmerei unchristlich sei. Dieser Andreas Kuhnert ging allerdings noch nicht so weit, den verfolgten Leninschädeln Unterkunft in den Kirchen des Landes anzubieten. Aber falls Frau Ludwig irgendwann doch noch die Macht ergreifen sollte, wird Kuhnert die Türen sicher weit öffnen.

PS. Wegen ihrer Fragerei wird Frau Ludwig auch noch von den Russen zu hören bekommen, sagt übrigens unser Ministerpräsident. Da ist allerdings noch Zeit für unfreundliche Grüße, denn die feiern erst am 7. Januar Weihnachten.