Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die überraschende Kandidatur von Justizministerin Barbara Richstein für einen der vier Stellvertreter von Schönbohm. Die 37-jährige Richstein, Hoffnungsträgerin der Partei, passt haargenau in das Konzept des CDU-Landeschefs, mit neuen Gesichtern den Landesverband zu profilieren. Die Art und Weise allerdings, wie es zu dieser Kandidatur kam und die möglichen Folgen haben für erhebliche Unruhe in der CDU gesorgt.
Richstein wurde nicht von ihrem eigenen Kreisverband Havelland nominiert, der weiterhin auf seine Bundestagsabgeordnete Andrea Astrid Vosshoff setzt, die ursprünglich angedeutet hatte, sie werde von sich aus zurücktreten. Damit hatte auch Jörg Schönbohm gerechnet, womit der Weg für Barbara Richstein frei gewesen wäre. So aber stand die Ministerin ohne Unterstützung aus dem eigenen Kreis da. Vorgeschlagen wurde sie dann – gegen die Gepflogenheiten – von Märkisch-Oderland, später von zwei weiteren Kreisverbänden.
Und ihre Kandidatur war plötzlich verbunden mit einer Kampagne gegen den Lausitzer Bundestagsabgeordneten Michael Stübgen, dem aus der Umgebung Schönbohms mangelndes Engagement für die Gesamtpartei vorgeworfen wird. Mit der drohenden Abwahl Stübgens als Stellvertreter würde allerdings einer der wenigen profilierten Vertreter des Brandenburger Südens beschädigt. Deswegen auch machen sich die Kreisverbände der Region, die sehr wohl zufrieden mit der Arbeit Stübgens sind, jetzt stark für den Bundestagsabgeordneten. So sagt beispielsweise der Kreisvorsitzende von Cottbus, Michael Schirack, die Zusammenarbeit funktioniere hervorragend. Dies werde auch in den anderen Kreisen so gesehen.
Die Neuwahl der Parteispitze hat wesentliche Bedeutung für die künftige Zusammensetzung der Landtagsfraktion. Denn der geschäftsführende Landesvorstand stellt die Weichen für die Landesliste und somit für die regionale Verteilung der zukünftigen Mandate. Bei der letzten Landtagswahl 1999 konnten mit Ingo Senftleben und Frank Werner nur im Süden des Landes noch Christdemokraten ihre Wahlkreise direkt gewinnen. Auf der Landesliste abgesichert waren damals lediglich fünf Vertreter der Region, die damit vergleichsweise schlecht abschnitt. Dabei ist der Süden, was den Wählerzuspruch angeht, nach wie vor eine Hochburg der Landes-CDU. Michael Stübgens Wahlkreis war bei der letzten Bundestagswahl bei den Erst- wie den Zweitstimmen mit einigem Abstand Spitzenreiter in Brandenburg.