Schönbohm selbst will einen kleinen Denkzettel nichtausschließen: "Ich bin dem einen oder anderen auf die Füßegetreten." Deshalb könnten es, orakelt er, diesmal statt über 80nur 75 Prozent werden. Der Grund dafür, dass es um die vierStellvertreterposten eng wird, ist, dass Justizministerin BarbaraRichstein kandidieren will. Würde sie gewählt, müsste einer derbisherigen Stellvertreter, die alle wieder antreten wollen,seinen Hut nehmen. "Ein ganz normaler Vorgang", kommentiertSchönbohm. "Wir sind schließlich keine Kaderpartei."
Doch gibt es viele, die das anders sehen. Nicht nur die"Wackelkandidaten" unter den bisherigen Stellvertretern, sondernauch die hinter ihnen stehenden Kreisverbände. Es geht um Machtund Einfluss, auch um gute Ausgangspositionen für die Zeit nachSchönbohm.
Mancher Christdemokrat meint, dass der 65-jährige Parteichef mitRichstein (37) neben Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (46)einen weiteren Kandidaten für seine Nachfolge aufbauen will.Schönbohm macht keinen Hehl daraus, dass er die Kandidatur Richsteins, die er 1999 als "Quereinsteigerin" in den Landtag holte,als "Signal für die Erneuerung der Parteispitze" unterstützt. Dieliberale Politikerin würde sich im engeren Vorstand sehr gut mitdem als Hardliner geltenden Sven Petke (35) ergänzen: Sie stehemehr für law, er mehr für order. Ein weiteres Argument: Wenn dieCDU stärkste Kraft werden wolle, müssten an ihrer Spitze Personenstehen, "die im Lande wahrgenommen" werden.
Bei Petke ist das der Fall, zunehmend auch bei Partei-Vize UlrichJunghanns. Von den anderen beiden Stellvertretern, demLandesgruppenchef im Bundestag und Kreischef von Elbe-ElsterMichael Stübgen (43) sowie der Bundestagsabgeordneten AndreaVoßhoff (44) ist hingegen aus Potsdamer Sicht wenig oder garnichts zu vernehmen.
Stübgen kündigte gestern gegenüber der RUNDSCHAU an, dass er aufdem Parteitag kämpfen werde. Der Unterstützung derCDU-Kreisverbände aus Südbrandenburg kann er sich sicher sein."Das mit der Wahrnehmung ist so eine Sache", betont er. Es gebeLeute, die vor jedem Mikrofon stehen und welche, die die Arbeitmachen. Stübgen: "Zu letzteren zähle ich mich."
Dass Petke und Junghanns als Vize-Parteichefs wiedergewähltwerden, gilt in der CDU als sicher. Würde Richstein gewählt,müssten also entweder Stübgen oder Voßhoff ihren Platz räumen.Was die Sache kompliziert macht, sind regionale Befindlichkeiten.An Stübgen hängt der Einfluss der Südbrandenburger CDU. AlsLandesgruppenchef im Bundestag wäre er allerdings qua Amt imgeschäftsführenden Vorstand vertreten. Voßhoff ist die Favoritindes Kreises Havelland. Für Schönbohm ist klar, dass dienotwendige Erneuerung nicht am Regionalprinzip scheitern darf.Generalsekretär Lunacek: "Wenn wir auf Leute setzen, die nichtwahrnehmbar sind, können wir aufgeben."