Auf dem vierten politischen Aschermittwoch der Märkischen Union kündigte er gestern Abend in Bernau an, dass er bei der Landtagswahl 2004 erneut als Spitzenkandidat antreten will. Er tue dies, um dann „bis 2009 für unsere gemeinsamen Ziele und Überzeugungen zu arbeiten“ , so Schönbohm unter dem Beifall vor rund 350 Teilnehmern. Er wolle alle Kraft darauf legen, dass künftig die Union den Ministerpräsidenten in Brandenburg stelle.
Schönbohm - 2009 wäre er 72 Jahre alt - relativierte mit seiner Ankündigung frühere Aussagen, nach denen er Mitte der nächsten Legislaturperiode die Parteiführung an einen Nachfolger abgeben wollte. Als Kronprinz galt bislang sein Vize und Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns, der in den letzten Tagen demonstrativ von Regierungschef Platzeck gelobt worden war. Schönbohm reagierte offenbar auch auf Planspiele von Sozialdemokraten, die große Koalition möglichst ohne ihn und mit Junghanns als Parteichef fortzusetzen. Zudem hatte ihn Finanzministerin Dagmar Ziegler als „alt, krank und obendrein eitel“ bezeichnet.
In seiner mit Spannung erwarteten Rede unterließ Schönbohm polemische Angriffe auf den Koalitionspartner und schonte - anders als in den Vorjahren - auch die rot-grüne Bundesregierung. Nach den jüngsten Turbulenzen in der SPD/CDU-Koalition, die unter anderem am Streit um einen CDU-Solidaritätsbrief an US-Präsident Bush beinahe zerbrochen wäre, stellte Schönbohm in Richtung SPD klar: „Wir scheuen nicht die Opposition, aber wir wollen sie nicht.“ Die CDU wolle eine Regierungsbeteiligung der PDS verhindern. „Aber nicht um jeden Preis“ .
Vor dem Hintergrund der jüngsten Koalitionskrise betonte er, dass auch künftig trotz aller Unterschiede zwischen SPD und CDU dennoch die Gemeinsamkeiten „deutlich erkennbar“ sein müssten. Schönbohm hob die Leistungen des Regierungsbündnisses hervor, das notwendige Veränderungen im Land angepackt habe. Rot-Rot sei keine Alternative. Der Minister verwies darauf, dass in Sachsen-Anhalt die SPD den „Totalschaden“ aus dem gescheiterten rot-roten Bündnis davongetragen habe. Die PDS jedoch ohne Blessuren geblieben sei. „Das sollten alle beachten, die in Brandenburg mit solchen Experimenten liebäugeln.“