Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) teilte am Dienstag in Kabul mit, die Zahl der zivilen Opfer sei 2008 im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 Prozent auf 2118 gestiegen. Für 55 Prozent der getöteten Zivilisten seien Aufständische wie die Taliban verantwortlich gewesen. 39 Prozent der Opfer seien von afghanischen oder internationalen Truppen besonders bei Luftangriffen getötet worden. Die restlichen sechs Prozent seien keiner Seite zuzuordnen.Nato-Sprecher James Appathurai sagte dagegen in Brüssel: "Die Taliban und deren Helfer sind für etwa 80 Prozent der zivilen Todesopfer verantwortlich." Nato-eigenen Zahlen zufolge seien 97 Menschen durch die Afghanistan-Schutztruppe Isaf getötet worden, etwa 130 durch US-Soldaten der "Operation Enduring Freedom". 987 Menschen seien jedoch durch Aufständische getötet worden. "Wir sollten die Schuldigen sehr klar benennen", sagte der Nato-Sprecher. "Die Taliban kämpfen aus zivilen Wohngebieten heraus und ziehen sich nach den Angriffen dorthin zurück. Sie setzen Zivilisten ganz bewusst der Gefahr aus und versuchen, sie als menschliche Schutzschilde zu benutzen." Die Nato bemühe sich intensiv, zivile Opfer zu vermeiden. Auch die Vereinten Nationen riefen die Konfliktparteien erneut dazu auf, zivile Opfer zu vermeiden. Deren wachsende Zahl bereite "große Sorge". Mehr als 40 Prozent der zivilen Opfer seien im Süden des Landes registriert worden, gefolgt vom Südosten (20 Prozent), Osten (13 Prozent), Zentralafghanistan (13 Prozent) und dem Westen (neun Prozent). Der Norden, das Einsatzgebiet der Bundeswehr, wurde in dem Jahresbericht zum "Schutz von Zivilisten in bewaffneten Konflikten" wegen der geringeren Zahl der zivilen Opfer nicht gesondert aufgeführt. Im Bericht heißt es jedoch, dass der bewaffnete Konflikt sich auf den Norden ausdehne.Die Zahl der getöteten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen habe sich im Berichtszeitraum verdoppelt, heißt es in dem UN-Bericht. 38 Helfer seien getötet und 147 weitere entführt worden. Die Arbeit von Hilfsorganisationen werde immer schwieriger. Weite Teile des Südens, des Südwestens, des Südostens, des Ostens und Zentralafghanistans würden als "extrem riskante, feindliche Umgebung" eingestuft.Die Nato-geführte Schutztruppe Isaf teilte mit, ihre Soldaten hätten am Dienstag in der südafghanischen Provinz Kandahar versehentlich zwei Zivilisten erschossen. Das Fahrzeug der Opfer sei auf eine Fußpatrouille zugerast. Die US-Armee erklärte, bei einem Sprengstoffanschlag in Kandahar seien am Vortag fünf Zivilisten getötet worden. Ein britischer Isaf-Soldat starb bei einem Schusswechsel in der südafghanischen Unruheprovinz Helmand. dpa/uf