Den Schülern der 13. Klasse am Cottbuser Ludwig-Leichhardt-Gymnasium verschlug es die Sprache. Eigentlich sollten sie mit den ehemaligen politischen Häftlingen, die von der Enquete-Kommission für die "Aufarbeitung der Geschichte und Bewältigung von Folgen der SED-Diktatur" am Tag der Menschenrechte mit ins einstige DDR-Gefängnis Bautzener Straße eingeladen worden waren, ins Gespräch kommen. Doch die Schüler zeigten sich viel zu beeindruckt.

Gerd Korsowski aus Lübbenau, Manfred Krafft aus Peitz, der Cottbuser Joachim von der Heyde und Manfred Lehmann aus Berlin zeichneten ein bedrückendes Bild des menschenverachtenden Strafvollzugs in der DDR. Weil sie Ausreise-Anträge gestellt, Fluchthilfe geleistet oder sich kritisch über die DDR geäußert hatten, wurden sie wegen landesverräterischer Nachrichtenübermittlung, Staatsverleumdung, Hetze und Propaganda zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. In der Stasi-Untersuchungshaft und später im Zuchthaus Bautzener Straße reichte das Spektrum der Repressalien von Einschüchterung und Bedrohung über Schlafentzug bis hin zu Schlägen. Noch heute quälten sie Depressionen, Ängste und Panik-Reaktionen. Hinzu komme die Erniedrigung, beim Beantragen der Haftfolgen-Entschädigung von ehemaligen SED-Leuten abhängig zu sein, sagte Lehmann.

Um das Bild abzurunden, hatten zwei andere Ex-Häftlinge Kommission und Schülern das Gefängnis-Areal gezeigt - Schriftsteller Siegmar Faust und Dieter Dombrowski, Chef des Menschenrechtszentrums im ehemaligen Zuchthaus und Kommissionsmitglied.

Nachdenklich verließen die Schüler am Ende das Gefängnisgelände. "Von unseren Eltern hören wir nur Positives von der DDR", so Laurenz Nagler (18). "Das habe ich so noch nie gehört", sagte Julia Schwartz (19).