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Schockdiagnose Herztumor

Hoch konzentriert arbeitet das Team um Dr. Sören Just (2.v.l.), bei einer Herzoperation. Der Chefarzt Anästhesie, Dr. Andreas Smechowski (hinten), achtet auf die Stabilität der Vitalfunktionen. Außerdem im OP-Saal: Chirurgie-Assistentin Candy Blobel (r.) sowie OP-Pflegekraft Anne Baumgarten (l.).
Hoch konzentriert arbeitet das Team um Dr. Sören Just (2.v.l.), bei einer Herzoperation. Der Chefarzt Anästhesie, Dr. Andreas Smechowski (hinten), achtet auf die Stabilität der Vitalfunktionen. Außerdem im OP-Saal: Chirurgie-Assistentin Candy Blobel (r.) sowie OP-Pflegekraft Anne Baumgarten (l.). FOTO: Daniela Kühn/dkn1
Cottbus. Das Sana-Herzzentrum Cottbus ist auch auf seltene Erkrankungen spezialisiert. Einer 52-jährigen Patientin konnte dadurch das Leben gerettet werden. Daniela Kühn

(dkn1) Mit Schmerzen in der rechten Hand und im linken Arm, die bis in die Brust hinein zogen, suchte Konstanze B.* vor einiger Zeit die Notaufnahme des Beeskower Krankenhauses auf. Die 52-Jährige klagte zudem über Atemnot und Kraftlosigkeit in beiden Armen. Ihr erster Gedanke - ein Herzinfarkt. Doch der konnte durch laborchemische und elektrokardiologische Untersuchungen schnell ausgeschlossen werden. Der Befund war allerdings alles andere als beruhigend. In der Echokardiografie, einem Herzultraschall, entdeckten die Ärzte ein Geschwür neben der linken Herzkammer. Mit zehn mal sechs Zentimetern hatte es in etwa den Umfang eines normalen Stückchens Butter und war damit so groß wie das Herz der Beeskowerin.

"Die Klinik rief uns an, und wir veranlassten die Verlegung in unser Haus", erinnert sich Dr. Sören Just, Leitender Oberarzt der Herzchirurgie im Sana-Herzzentrum Cottbus. "Natürlich ist die Nachricht, einen Tumor am Herzen zu haben, ein riesiger Schock für die Patientin gewesen. Diese Erkrankung kommt sehr selten vor. Selbst große Häuser haben kaum mehr als zwölf Fälle im Jahr. Wir operieren im Durchschnitt einmal im Monat einen Herztumor. Das Besondere daran ist, dass diese Tumore zu 95 Prozent gutartig sind." Somit sind sie auch gut therapierbar, weil sie komplett entfernt werden können. "Bei Konstanze B. täuschte das kavernöse Hämangiom, auch Blutschwamm genannt, einen bösartigen, mons trösen Tumor vor."

Für den Zeitraum des Eingriffs wurde die Patientin unter Vollnarkose gesetzt und an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Die ersetzt für die Zeit der Operation die Pumpfunktion des Herzens und die Lungenfunktion. Das Blut wird über einen Schlauch aus dem Körper geleitet, mit Sauerstoff angereichert und wieder zurück in den Organismus gepumpt. Dadurch ist das Herz für den Operateur zugänglich, sodass Dr. Sören Just und sein Team mit dem vorsichtigen Abtrennen des Geschwürs beginnen konnten. "Das stellte sich als etwas kompliziert dar, weil der Tumorsack sehr prall und elastisch war. Allerdings gab er nach einem Einstich sofort nach und konnte komplett aufgeschnitten und abgetrennt werden. Schon im Operationssaal war so relativ schnell klar, dass die Wucherung gutartig ist, und wir Entwarnung geben können." Eine Erleichterung für das gesamte Team. "Das Herz der Patientin war völlig in Ordnung, sodass sie bereits sieben Tage nach dem Eingriff unser Herzzentrum wieder verlassen konnte."

Rein medizinisch gesehen ist jeder Tumor einzigartig. Da die Geschwüre am Herzen eben noch sehr viel seltener vorkommen als an andere Organen, kann der jeweilige Chirurg erst recht nicht auf einen unerschöpflichen Fundus an Erfahrungen zurückgreifen. "Mein früherer Chef und Mentor aus Berlin Buch, PD Dr. Berndt Schubel, wusste, wie wichtig es ist, junge Kollegen früh an die Praxis heranzuführen. Er hat mich zeitig auf diese herzchirurgischen Spezialfälle vorbereitet, wofür ich ihm noch heute dankbar bin." Als Anerkennung hat Dr. Sören Just seinem Förderer eine Publikation über das immer noch etwas vernachlässigte Thema der Herztumore gewidmet. "Diese Form der Krebserkrankung war übrigens bis 1965 gar nicht feststellbar. Erst mit der Einführung der Echokardiografie konnten Mediziner Herztumore diagnostizieren."

Die Untersuchung mittels Ultraschall zählt zu den wichtigsten technischen nichtinvasiven Methoden. Das bildgebende Verfahren ist unverzichtbarer Bestandteil der kardiografischen Diagnostik.

Nicht zuletzt dieser Entwicklung verdankt auch Konstanze B. ihr Leben. Denn die Symptome hätten sich weiter verschlimmert, die Atemnot zu- und die Belastbarkeit ihres Lebensmotors abgenommen, sodass sie vermutlich irgendwann einer Herzinsuffizienz erlegen wäre. "Heute erfreut sich die Patientin wieder bester Gesundheit", weiß Dr. Sören Just. "Und natürlich macht uns das auch ein bisschen stolz."

*Name geändert

Zum Thema:
Der Lübbener Dr. Sören Just, Jahrgang 1965, wurde durch seinen Vater, den Herzchirurgen Dr. Werner Just ( 2005), bis 1990 Ärztlicher Direktor des Kreiskrankenhauses Lübben, früh beruflich geprägt. Er studierte von 1986 bis 1992 Medizin an der Humboldt Universität Berlin und absolvierte die praktische Ausbildung am Klinikum Berlin-Buch. 1999 schloss er seine Facharztausbildung in der Herzchirurgie unter Chefarzt PD Dr. Berndt Schubel ab. Dr. Sören Just war unter anderem als Leitender Oberarzt am Herzzentrum Coswig tätig. Im September 2008 wechselte er als Oberarzt an das Sana-Herzzentrum Cottbus und ist seit dem 1. Oktober 2010 Leitender Oberarzt der Herzchirurgie.Kontakt:soeren.just@sana.de

Zum Thema:
Stent: Nach erfolgter Aufweitung eines Gefäßes, meist durch eine PTCA (Herzkranzgefäß-Erweiterung - Perkutane Transluminale Coronare Angioplastie) eingesetzte schlauchartige Gefäßstütze, die aus einem zylinderförmigen Metallteil aus Maschenwerk besteht. Der zusammengefaltete Stent wird über einen Katheter durch die Leistenarterie eingebracht und in der verengten Gefäßpartie platziert. Hier wird die aus feinen Metallfäden bestehende Gefäßstütze aufgedehnt. Dieser verbleibt im Gefäß und funktioniert wie ein inneres Korsett. Der Stent sorgt dafür, dass das Gefäß dauerhaft offenbleibt, und wächst mit der Zeit in die Arterienwand ein. Stents können auch in vereinzelten und speziellen Fällen in die großen Venen eingesetzt werden und funktionieren nach dem gleichen Prinzip.

Zum Thema:
Das Sana-Herzzentrum Cottbus ist eine leistungsstarke, auf modernstem Niveau funktionierende Einrichtung, in dem pro Jahr über 4000 Patienten von einem Team von über 310 Mitarbeitern stationär oder ambulant behandelt werden. So wurden seit der Gründung im Jahr 1995 mehr als 60 000 Patienten behandelt, über 30 000 von ihnen am offenen Herzen operiert. Das Leistungsangebot deckt das breite Spektrum der Herzchirurgie, Kardiologie und Kardioanästhesie nach modernsten Standards ab. Die Grundlage für die tägliche Arbeit am Patienten auf einem aktuellen Stand der Wissenschaft ist die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter. Medizinern bieten wir die Ausbildung zum Facharzt in den Disziplinen Herzchirurgie, Kardiologie und Anästhesiologie.

Zum Thema:
Herztumore kann man ganz allgemein in zwei Arten unterteilen: in gutartige Tumore (meist Myxome oder Fibroelastome) und bösartige Tumore (meist Sarkome). Das Myxom bezeichnet einen seltenen, gutartigen primären Herztumor und betrifft etwa 95 Prozent aller Erkrankungen dieser Art, sagt Dr. Sören Just, Leitender Oberarzt Herzchirurgie. Das Herzzentrum behandelt im Durchschnitt zwölf Herztumore pro Jahr.Sarkome, auch maligne Tumore genannt, sind sehr seltene, bösartige primäre Herztumore. Wie fast alle Tumore können auch sie erst nach dem chirurgischen Eingriff histologisch zugeordnet werden, sodass die Erkenntnis, dass es sich um ein bösartiges Geschwür handelt, meist erst nach der Operation ganz sicher feststeht.