Zum Jahreswechsel haben viele Krankenversicherer Beitragserhöhungen angekündigt, teils um zehn bis 40 Prozent, in Ex tremfällen sogar 70 Prozent. Bei den Verbraucherzentralen häufen sich derzeit die Hilferufe von Betroffenen. Es handelt sich meist um Rentner und Selbstständige, die 2012 ihre Prämien nicht mehr bezahlen können.

Je länger ein Kunde schon privat versichert ist, desto härter trifft ihn die neue Kostenspirale, wie Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sagt. Vor allem Ältere stoßen an ihre finanziellen Grenzen. Ein 57-Jähriger aus Mainz zum Beispiel soll 2012 monatlich 140 Euro mehr zahlen, statt 749 künftig 889 Euro. Aber auch Gutverdiener mit Familie ächzen unter der Belastung.

Bloß nicht kündigen

Wer schon mehr als fünf Jahre dabei ist und das 40. Lebensjahr überschritten hat, sollte die Finger vom Wechsel zu einem anderen Anbieter lassen. Sonst drohten hohe Verluste, warnt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Kunden büßen beim Umstieg ihre Altersrückstellungen ein. Die Reserven sind aber wichtig, damit die im Alter steigenden Krankheitskosten gedeckt werden können. Ohne Rückstellungen, die in jungen Jahren gebildet werden, galoppieren die Prämien im Laufe der Zeit noch stärker davon. Nach einem Wechsel fangen Versicherte meist wieder bei null an.

Ratsamer ist es, innerhalb der eigenen Versicherung zu einem aktuell günstigeren Tarif mit ähnlichen Leistungen zu wechseln. Jeder Kunde hat das Recht umzusteigen. Er kann sich dabei auf Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes berufen.

Der Versicherer muss dann ein Angebot machen. Mit dem internen Wechsel könnte man so im Monat mehr als 100 Euro sparen.

Häufig haben Kunden allerdings Mühe, ihr Wechselrecht durchzusetzen. Um Probleme von Anfang an zu minimieren, halten Verbraucherschützer einen Musterbrief für Wechselwillige parat, zum Beispiel unter www.vz-rlp.de. Wer auf Granit beißt, kann sich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Graurheindorfer Straße 108 in Bonn, wenden.

Gibt es keinen vergleichbaren Tarif, können Kunden notfalls auch Kürzungen bei den Leistungen vereinbaren und dadurch sparen.

Wer auf einen Tarif mit Selbstbehalt umsteigt oder einen schon bestehenden erhöht, kann sich ebenfalls finanziell etwas Luft verschaffen. Aber Vorsicht: Ein hoher Selbstbehalt kann später kaum zurückgefahren werden. Das kann bei schwerer Krankheit zum Bumerang werden.

Im Notfall Standardtarif wählen

Wer schon vor dem 1. Januar 2009 privat krankenversichert war, hat noch die Möglichkeit, sich in den Standardtarif zurückstufen zu lassen. „Aber nur als letzter Notanker“, betont Wortberg. Der Tarif sei mit circa 300 Euro monatlich (für Paare etwa 450 Euro) zwar recht günstig, bietet aber nur Leistungen, die auch die gesetzlichen Krankenkassen abdecken – und erstattet auch nur Behandlungskosten in Höhe des 1,8-fachen Gebührensatzes. Weigert sich der Arzt, zum Kassensatz abzurechnen, muss der Versicherte die Differenz zum Privattarif selbst bezahlen.

Wer sich ab 2009 privat krankenversichert hat, kann sich in den Basistarif zurückstufen lassen. Die Leistungen sind häufig noch etwas eingeschränkter als der Standardtarif. Die Kosten orientieren sich am Höchstsatz der gesetzlichen Kassen, liegen also bei etwa 630 Euro im Monat.