Staugeplagte Urlauber kommen künftig schneller auf der Insel Rügen voran. Nach mehr als vier Jahren Bauzeit hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am gestrigen Dienstag den 14 Kilometer langen Südabschnitt der dreispurigen Schnellstraße auf der Insel freigegeben.

An der Veranstaltung in ihrem Wahlkreis nahmen auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering und Landesverkehrsminister Christian Pegel (beide SPD) teil.

Jahrelange Verzögerungen

Die unmittelbar an die Rügenbrücke anschließende Trasse soll nicht nur den Urlauberverkehr in den Sommermonaten entzerren, sondern auch Engpässe für den Wirtschaftsverkehr beseitigen und so Transportzeiten verringern, wie das Landesverkehrsministerium mitteilte. Der Bau hatte sich über Jahre - unter anderem wegen Nachmeldungen von Naturschutzgebieten - verzögert. Die ursprünglich veranschlagten Kosten für die 20 Kilometer lange Gesamttrasse in Höhe von 80 Millionen Euro werden sich mit der Fertigstellung auf 151, 5 Millionen Euro nahezu verdoppelt haben.

Grüne und Umweltverbände hatten den Neubau parallel zur bestehenden B96 kritisiert und stattdessen den Bau von Ortsumgehungen und eine dritte Spur für die bestehende Bundesstraße gefordert.

Der Bundesrechnungshof hatte im April 2015 die ausufernden Kosten kritisiert. Allein der Südabschnitt kostet nun nach Ministeriumsangaben 96,5 Millionen Euro. Der Abschnitt sollte, so hieß es bei der 2007 gefeierten Eröffnung der Rügenbrücke, vier Jahre später - also ursprünglich 2011 - fertig sein.

Als Grund für die Kostensteigerung führt das Verkehrsministerium den Baugrund an, der sich als deutlich schwieriger herausgestellt habe als bei der ursprünglichen Planung angenommen. Zudem wurde aus Umweltschutzgründen eine Unterführung unter die Bahntrasse gebaut. Pfahlgründungen und der Bau der Unterwasserbetonsohle seien in diesem Bereich sehr aufwendig gewesen.

Voraussichtlich im Sommer 2016 soll mit dem Bau des sechs Kilometer langen Nordabschnittes begonnen werden. Der Bund hatte in diesem Sommer dafür die Bau- und Finanzierungszusage über 55 Millionen Euro erteilt.

Kritik von Umweltverbänden

Umweltverbände hatten immer wieder kritisiert, dass der Bau der neuen Schnellstraße zu einer Verlagerung der Sommerstaus auf die Insel vor Bergen führen wird.

Nach Angaben des Landesverkehrsministeriums wurden ab Bergen bereits verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Durchlässigkeit und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit umgesetzt. Dazu gehörten der Einbau einer Linksabbiegespur auf der B 196 am Abzweig Altensien und der Ausbau Ortsdurchfahrt Sellin sowie der Bau von Kreisverkehren und Busbuchten. Zudem gebe es Planungen für den Bau einer Ortsumgehung südlich um Bergen. Die Finanzierung dafür ist bislang aber unklar.