Heute ist nicht mehr alles wie im Gedicht: Der Birnbaum ist neu gepflanzt, und die Familie sitzt nicht mehr auf Schloss Ribbeck. Und auch wenn viele Birnen nun zu Essig verarbeitet werden, so bekommt bestimmt das ein oder andere Kind eine süße Frucht von dem Adligen.
Der Familienbesitz, darunter das Schloss, auf dem die von Ribbecks von 1237 an residierten, geriet im Zweiten Weltkrieg in die Hände der Nationalsozialisten. Der letzte Schlossherr Hans von Ribbeck starb 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen. Formell wurde der Besitz noch im selben Jahr im Zuge der Bodenreform enteignet. Der jahrelange Streit um die Rückübertragung des Besitzes endete 1999 mit einem Vergleich vor dem Verwaltungsgericht Potsdam. Die Familie erhielt eine Entschädigung, der Landkreis das Schloss. "Ein Schloss ist kein Sportabzeichen - man muss es sich leisten können", sagt der 69-Jährige. "Jetzt muss der Landrat es fegen." Derzeit wird das Schloss aufwendig saniert. Künftig sollen dort ein Standesamt, ein Restaurant, Ausstellungsräume und Vereinsräume untergebracht werden.
Mit "dem Glockenschlag der Wiedervereinigung" kehrte von Ribbeck in seine Heimat zurück. Nach 15 verschiedenen Wohnsitzen habe er sich "wie ein Zigeuner" gefühlt, sagt der Volkswirt. Er sehnte sich nach dem "heißen märkischen Sand", auf dem er als Kind sein Fahrrad schob. "Es kam mir vor, als säße ich im Zug und bekäme immer wieder die falsche Fahrkarte."
Zehn Jahre lebt Herr von Ribbeck nun wieder bei seinem Birnbaum. Dem Baum, dem er viel zu verdanken hat, wie er sagt. Die ehemalige Brennerei seiner Familie hat er zurückgekauft. Dort brennt er Schnaps und Essig - aus Birnen, versteht sich. "Fontane sei Dank" drehe sich in seinem Leben alles um die Früchte. Und natürlich sei auch die Geschichte vom alten Ribbeck wahr, der den Kindern immer eine süße Birne gab und sogar eine mit ins Grab nahm, aus der ein schöner Baum wuchs.
Ja, er habe das sogar mit einem "arithmetisch-biologischem Algorithmus" untersuchen lassen, witzelt von Ribbeck. Und er habe da schon einen Vorfahren im Auge, der großzügig alle Kinder beschenkte. Hans-Georg von Ribbeck I., verstorben 1759, soll der echte "Herr von Ribbeck aus Ribbeck im Havelland" gewesen sein - sein Alter und das des Baumes passe perfekt zusammen. www.vonribbeck.de