Wegen umstrittener Äußerungen über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich Polens Präsident Bronislaw Komorowski kurz vor der Parlamentswahl persönlich in den Wahlkampf eingeschaltet. Die Bemerkungen des nationalkonservativen Oppositionsführers Jaroslaw Kaczynski seien ein "schädlicher Fehler", kritisierte Komorowski am späten Mittwochabend im Sender TVN 24. "Ich würde ihm raten, dass er sich entschuldigt."

Kaczynski - Zwillingsbruder von Komorowskis tödlich verunglücktem Vorgänger - lehnte das jedoch ab. Der Spitzenkandidat der Partei Recht und Gerechtigkeit (PIS) sagte am Donnerstag, er wisse nicht, wofür er sich zu entschuldigen hätte.

In seinem Buch "Das Polen unserer Träume" hatte Kaczynski über "nicht ganz saubere Umstände" geschrieben, die zu Merkels Kanzlerschaft geführt hätten. Worauf er seine Vorwürfe gründete, ließ er offen. Komorowski sagte dazu: "Auch Worte im Wahlkampf können großen Schaden anrichten, wenn es um das Ansehen unseres Staates geht." Kaczynski hatte zudem angekündigt, dass er im Falle eines Wahlsiegs die deutsche Vertriebenen-Politikerin Erika Steinbach zur unerwünschten Person in Polen erklären lassen will.

In Polen wird am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Nach Umfragen liegt die liberalkonservative Bürgerplattform (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk vorn.