Während andere Schmuggelwaren wie Bekleidung, Glaswaren oder Spirituosen regelmäßig zu Schnäppchenpreisen versteigert werden, darf die an der deutsch-polnischen Grenze beschlagnahmten Glimmstängel niemand mehr rauchen.
"Die Zigaretten müssen vernichtet werden, weil der Aufwand zu groß ist, sie noch in den Verkehr zu bringen", erklärt Jörg Birkemeyer, Vorsteher des Frankfurter Hauptzollamtes. Der Schmuggel-Ware fehlt die notwendige Steuerbanderole. Nur mit der dürfen sie innerhalb der Europäischen Union verkauft werden. Die wichtige Papiermarke nachträglich aufzubringen, hieße, jede Stange aufzureißen, um die einzelnen Zigaretten-Päckchen mit der Steuerbanderole zu bestücken. Statt dessen fährt ein Zoll-Transporter die illegale Rauchware in eine Recyclinganlage bei Beeskow.

Zigarettenindustrie zahlt
Innerhalb von wenigen Minuten wird dort in einer hochmodernen Schredder-Anlage aus Hunderten von Zigarettenstangen ein Haufen Papierschnipsel nebst schmutzig-braunen Tabakfasern. Bei diesem Anblick vergeht wohl auch dem eingefleischtesten Raucher jeglicher Appetit. Bezahlt wird die professionelle Vernichtung der unversteuerten Glimmstängel nach Zollangaben vom Verband der Zigarettenindustrie. Nach dem Zerschreddern erfüllen die Schmuggel-Zigaretten nach Angaben von Recycling-Betriebsleiter Werner Friese dennoch einen Zweck: Sie werden als Ersatz-Brenn stoff an die Rüdersdorfer Zementwerke geliefert.
Vor dem Zerschreddern lagern die Glimmstängel in den Aservaten-Räumen des Hauptzollamtes - solange bis das Strafverfahren gegen den jeweiligen Schmuggler abgeschlossen ist und die "heiße Ware" nicht mehr als Beweismittel benötigt wird.
Überfüllt sind die Zoll-Lagerräume seit einiger Zeit jedoch nicht mehr. Wurden laut der Statistik des Frankfurter Hauptzollamtes noch im Jahr 2001 an der Oder zwischen Eisenhüttenstadt und Küstrin-Kietz mehr als 100 Millionen Glimmstängel beschlagnahmt, so waren es in den vergangenen beiden Jahren mit jeweils nur rund 30 Millionen deutlich weniger. "Es kommt immer noch vor, dass wir große Transporter entdecken, die in speziellen Ver stecken unter der legalen Ladung Millionen Zigaretten schmuggeln", erzählt Birkemeyer. Doch der Trend bei den Schiebern geht angesichts der dichten Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze zu deutlich kleineren Mengen - verteilt auf mehrere Fahrzeuge. Damit soll der Verlust beim eventuellen Entdecken der "heißen Ware" verringert werden.

Schmuggelanstieg erwartet
Die Kontrolleure sind dennoch auf der Hut. Denn schon jetzt gibt es Prognosen, dass der Zigaretten-Schmuggel im Zuge der EU-Osterweiterung wieder ansteigen wird. Denn es hat sich herumgesprochen, dass sich sowohl deutscher, als auch polnischer Zoll von der unmittelbaren Waren-Kontrolle an der Grenze zurückziehen werden. Die angekündigten Preiserhöhungen für Zigaretten in Deutschland schon ab März machen das illegale Geschäft zusätzlich lukrativ. Oftmals wird ein Tarn-Transporter vorgeschickt, um die Zöllner abzulenken und mit den folgenden Autos unbehelligt die Grenzabfertigung passieren zu können.
Doch mobile Kontrollgruppen im Ostbrandenburger Hinterland sind ab 1. Mai jederzeit berechtigt, Fahrzeuge oder Passanten anzuhalten und auch zu durchsuchen. Die Zolltrupps haben unter anderem auch Tabak-Spürhunde dabei. An der A 12 wird derzeit außerdem eine Röntgenanlage aufgebaut, mit der Container und ganze Transporter durchleuchtet werden können.