Ein Korruptionsverdacht am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) beschäftigt die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin stellt den Fall so dar: Ein ehemaliger Bereichsleiter bei der Flughafengesellschaft FBB, die für den pannengeplagten Airport zuständig ist, soll Ende 2012 von einem damaligen Mitarbeiter des Gebäudetechnikausrüsters Imtech Deutschland auf einem Autobahnparkplatz 150 000 Euro Bestechungsgeld entgegengenommen haben. Im Gegenzug soll er sich den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge innerhalb der FBB dafür eingesetzt haben, dass an die Firma sowie an eine Arbeitsgemeinschaft, an der sie beteiligt war, mehr als 60 Millionen Euro an ungeprüften Nachtragsforderungen gezahlt wurden.

Vor dem Landgericht Cottbus beginnt am Dienstag der Prozess gegen den 48 Jahre alten Ex-Prokuristen der Flughafengesellschaft, den damaligen Vorsitzenden (61) der Imtech-Geschäftsleitung sowie einen weiteren Mitarbeiter der Firma, die 2015 Insolvenz anmeldete. Der 46-Jährige soll das Schmiergeld laut Staatsanwaltschaft auf Anweisung des Chefs übergeben haben. Die Vorwürfe lauten auf Bestechlichkeit und Bestechung.

Die Ankläger gehen davon aus, dass der Ex-Prokurist eigentlich knapp zwei Millionen Euro von der Firma haben wollte. Nach der Anzahlung auf dem Parkplatz soll er sich aber vergeblich um den Rest bemüht haben. Für den Prozess gegen die drei Angeklagten seien bislang neun Verhandlungstage bis November vorgesehen.

Der Bauausrüster Imtech hatte unter anderem an der Brandschutzanlage des Flughafens in Schönefeld bei Berlin mitgearbeitet. Im Sommer 2015 musste das Unternehmen allerdings Insolvenz anmelden. Auch dem Mutterkonzern in den Niederlanden erging es so. Das Insolvenzverfahren für Imtech Deutschland wird voraussichtlich noch Jahre dauern, wie ein Sprecher des Hamburger Insolvenzverwalters mitteilte. Infolge der Insolvenz ergaben sich für den Flughafen nach FBB-Angaben Verzögerungen im Bauablauf. Man gehe von weniger als drei Monaten aus.

Was die Höhe der Bestechungssumme angeht, wäre es laut Staatsanwaltschaft der bisher größte Korruptionsfall im BER-Umfeld - aber es ist nicht der erste, mit dem Gerichte zu tun haben. Im Herbst 2014 war bekanntgeworden, dass ein vom Amtsgericht Cottbus erlassener Strafbefehl gegen einen ehemaligen Technikchef des Flughafens rechtskräftig ist. Der Mann wurde wegen Bestechlichkeit und Betrugs zu einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt; zudem gab es eine Geldauflage von 200 000 Euro. In einem weiteren Korruptionsfall ging es um Aufträge bei der Verlegung von Wasserleitungen. Im Juli 2015 verurteilte das Landgericht Cottbus einen Ex-Chef eines Wasser- und Abwasserzweckverbandes, einen Ex-Geschäftsführer einer Baufirma und einen Subunternehmer zu Haftstrafen - teilweise zur Bewährung ausgesetzt.

Zum Thema:
Die für Ende 2017 geplante BER-Eröffnung hat nach Informationen der "Bild am Sonntag" nur noch eine theoretische Chance. Als Voraussetzung müssten gemäß dem geltenden Rahmenterminplan die Bauarbeiten bis Januar nächsten Jahres abgeschlossen sein, schreibt das Blatt. Hier aber drohe eine Verzögerung. So weise ein interner Prüfbericht der Objektüberwachung vom 22. Juli eine "bauliche Fertigstellung" erst "im April 2017 mit einer Tendenz in das 2./3. Quartal 2017" aus. Um eine Freigabe vom Bauordnungsamt zu erhalten, müssten nach derzeitigem Stand noch knapp 73 Millionen Euro verbaut werden. Bei gleichbleibendem Tempo der Bauarbeiten würde das Fluggastterminal erst Ende 2017 fertiggestellt, heißt es in dem Bericht.