Herr Schmalstieg, Sie haben langjährige Erfahrung in Schlichtungsverfahren. Gibt es dafür so etwas wie goldene Regeln?
Es gibt eigentlich nur eine goldene Regel und die heißt: Man muss sich einigen. Man muss aufeinander zugehen. Und man muss die betroffenen Menschen, um die es geht, im Auge haben.

Die Fronten sind diesmal extrem verhärtet, so scheint es. Wo sehen Sie Ansatzpunkte, einzugreifen?
Ich werde mich jetzt nicht zu inhaltlichen Fragen äußern. Das werden wir in den Schlichtungsverhandlungen machen.

Wie bewerten Sie die Forderungen der Erzieher und Sozialarbeiter?
Ich glaube, dass die Arbeitgeber wissen, welche wichtige Aufgabe Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten haben. Da werden wir schon was bewegen.

Gibt es schon einen Termin, wann die Gespräche beginnen?
Ich vermute, das wird in der nächsten Woche sein. Das werden wir dann sehr schnell festlegen, wenn klar ist, wer der Schlichter auf der Arbeitgeberseite ist.

Wen würden Sie sich denn als Gegenpart wünschen?
Das entscheiden die kommunalen Arbeitgeber. Bei der letzten Schlichtung war Herr Milbradt der Vertreter der Arbeitgeberseite. Das war sehr positiv und erfolgreich.

Sie sind im Ruhestand, was hätten Sie denn die nächsten Tage getan, wenn Sie jetzt nicht schlichten würden?
Ich wäre in der nächsten Woche drei Tage bei der Hauptversammlung des deutschen Städtetages in Dresden gewesen. Von dort aus wäre ich nach Budapest geflogen zum internationalen Kongress der Sozialdemokratischen Parteien Europas. Und derzeit bin ich beim 7. Mesopotamischen Ärztekongress in Van in der Türkei.

Mit Herbert Schmalstieg

sprach Sigrun Stock

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Trotz der am gestrigen Donnerstagmorgen beschlossenen Schlichtung im Kita-Tarifkonflikt gehen die Streiks in Brandenburg weiter. Verdi-Fachbereichsleiter Erich Mendroch sagte gestern, ob möglicherweise ein vorzeitiges Ende des bis zum Wochenende angesetzten Ausstandes beschlossen wird, ist offen. Offiziell enden die Streiks vorerst ab der kommenden Woche. Auch in Sachsen gehen trotz bevorstehender Schlichtung die Streiks in den kommunalen Kindertagesstätten vorerst weiter. Bis zum heutigen Freitag gebe es noch Ausstände, sagte Manuela Schmidt von Verdi am gestrigen Donnerstagmorgen. Ab Montag würden die Streiks dann ausgesetzt. In Dresden gaben gestern Eltern symbolisch ihre Kinder zur Betreuung im Rathaus ab. dpa/bl