Seit Anfang Februar residiert Geschäftsführerin Sonja Schilg auf dem Staatsweingut, ein Tochterunternehmen der Sächsischen Aufbaubank. "Wackerbarth soll nicht nur ein Spitzenweingut Europas werden. Wir möchten, dass die Menschen Wein und Sekt als ein Fest für die Sinne erleben", erklärt die 46-Jährige die neue Firmenphilosophie. Dahinter stecken ehrgeizige Ziele: Der 80-Mann-Betrieb, der in mühsamer Handarbeit zwölf verschiedene Rebsorten anbaut, will bald 100 000 Gäste pro Jahr begrüßen und sich wirtschaftlich selbst tragen können. "Wackerbarth", sagt Schlossherrin Schilg, "soll ein touristischer Leuchtturm Sachsens sein."
Das Veranstaltungskalender verzeichnet bereits immer neue Höhepunkte. Zu den Klassikern wie dem Parkschoppenfest und dem Federweißerfest kamen neue Angebote wie die "Lange Sektnacht" und das "Spiel der Aromen" hinzu: An jedem ersten Samstag im Monat wird im 1728/29 erbauten, einstigen Herrenhaus des August Christoph Graf von Wackerbarth Weinprobe mit vielen Geschmacks- und Geruchsassoziationen verkostet. Am jedem letzten Montag im Monat sind an verschiedenen Orten wie dem alles überragenden Belvedere, der Vinothek und dem Gartensaal Abende mit Musikern, Malern und Schriftstellern geplant - eine Kombination aus Kunst, Küche und Weinkeller.
Der neue Erlebnisanspruch springt den Gästen gleich ins Auge: Die alte Produktionshalle wurde abgerissen und durch eine nagelneue nach dem Dresdner VW-Vorbild ersetzt: Eine gläserne Manufaktur, die neue Einblicke in die Kelterei ermöglicht, wo jährlich 500 000 Flaschen Wein und Sekt abgefüllt werden. Vor der Tür des Genusstempels wächst derweil ein Schaugarten für Rebstöcke und Küchenkräuter heran.
Seit Herbst 1999 wurden in die Sanierung der modernen und barocken Gebäude sowie der Weinterrassen etwa 19 Millionen Euro gesteckt. Eine Investition, die man schmecken kann: Die Qualität der Weine hat sich merklich verbessert, jüngst nahm der renommierte "Feinschmecker" die Spätlese des 2000er Radebeuler Lößnitz Rieslings in die Liste der 100 besten Weine auf.
Wer sich für Wein-, Sekt- oder Geschichtstour für je neun Euro entscheidet, bekommt eine fundierte Führung samt Verkostung und kleinen Filmen geboten. Die auch im Winter stündlich beginnenden Führungen übernehmen so genannte Gastgeberinnen in Winzerkostümen von 1840, unter ihnen auch Weinkönigin Antje Wiedemann. "Wir wollen", so sagt Liane Rühle, "ein lebendiges Weinbaumuseum sein."
Internet: www.schloss-wackerbarth.de