„Es ist selten so viel Unsinn über die Wölfe in der Lausitz verbreitet worden, wie in den vergangenen Wochen“ , macht Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU) seinem Unmut Luft. Offensichtlich auch deshalb, und nicht nur, um die Mitarbeiterinnen der bisherigen Wolfsbetreuung zu entlasten, hat Tillich nun einen zusätzlichen Wolfsmanager eingesetzt.
Wen der Minister für die jüngste Verbreitung von Unsinn über die Wölfe verantwortlich macht, umschreibt er nur sehr diplomatisch. Er spricht von „Winkelzügen“ und von „Ferndiagnosen“ über angebliche Wolf-Hund-Mischlinge. „Über solche Hybriden wird versucht, die Situation wieder aufzubohren“ , sagt Tillich.
Gemeint mit seiner Kritik ist offensichtlich ein Teil der sächsischen Jägerschaft, die sich vor einigen Wochen in offene Opposition zum Wildbiologischen Büro „Lupus“ und den beiden dort im Auftrag des Freistaates tätigen Biologinnen Gesa Kluth und Ilka Reinhardt begeben haben. Deren ermittelte Daten wurden offen angezweifelt.
Seitdem führt der sächsische Landesjagdverband eine eigene Dokumentation angeblicher Wolfsbeobachtungen und setzt auf selbst gewählte Fachleute, vor allem aus Finnland und Russland. „Durch unser Meldesystem ist schon herausgekommen, dass es mehr Wölfe gibt, als offiziell zugegeben“ , versichert Christian Lissina, bei dem die Meldungen zusammenlaufen. Und er bekräftigt eine weitere Behauptung, die immer wieder unter Jägern die Runde macht: „Die Wolfspopulation hier kann sich so nicht reinrassig vermehrt haben.“
Dass Sachsens Umweltminister Tillich versichert, die genetische Untersuchung von zahlreichen Wolfskotproben habe das Gegenteil nachgewiesen, ficht Lissina nicht an. Auf die Frage, ob er sich eine Zusammenarbeit mit dem neuen Wolfsmanager, einem jungen studierten Forstwirt, vorstellen kann, will sich Lissina nicht festlegen. Schließlich kenne er ihn noch nicht.
Auch Stefan Bachmann vom Jagdverband Hoyerswerda und wie Lissina einer der Beteiligten am Aufbau der jägereigenen Wolfsstatistik will jetzt erst mal abwarten: „Wenn es eine vernünftige Lösung gibt, die auf Gegenseitigkeit geruht, werden wir unsere Daten zur Verfügung stellen.“ Fest steht für ihn auf jeden Fall: „Die Datensammlung wird erst mal fortgeführt.“
Genau das wird im sächsischen Umweltministerium mit großer Skepsis beobachtet. „Es führt zu nichts, wenn vom Landesjagdverband ohne genaue Wolfskenntnisse gerissene Tiere begutachtet werden. Alle Daten müssen zusammengeführt werden“ , sagt Hans-Jörg Vorberger, Referatsleiter Artenschutz. Über den neuen Wolfsmanager, Andre Klingenberger, seien die Jäger herzlich eingeladen, sich an der Begutachtung gerissener Tiere zu beteiligen. Einzige Voraussetzung, die Waidmänner müssten sich dafür ausbilden lassen, so Vorberger.
Umweltminister Tillich hofft nun auf ein Einlenken des sächsischen Landesjagdverbandes. „Der Verband wird es sich nicht leisten können, die ausgestreckte Hand zur Zusammenarbeit wegen einigen wenigen auszuschlagen.“
Andererseits, so Tillich, dürfe man sich den Ängsten der Menschen nicht verschließen. Deshalb soll der neue Wolfsmanager auch mit den nötigen Kompetenzen ausgestattet werden, um bei akuter Gefahr handeln zu können. Bisher gebe es jedoch keinen „Problemwolf“ in der Region.
Eine Gefahr für Menschen sind die grauen Räuber offensichtlich auch in anderen Wolfsgebieten Europas nicht. Das ergab eine Umfrage des Internationalen Tierschutz-Fonds IFAW in Spanien, Polen, Lettland, Estland, Italien und Kroatien, wonach es dort seit Jahrzehnten keine Angriffe von Wölfen auf Menschen gegeben hat.
Um über das Abwanderungsverhalten der Lausitzer Jungwölfe mehr zu erfahren, sollen sie mit Sendern markiert werden. Das Bundesumweltministerium finanziert die Aktion, mit der das Büro „Lupus“ beauftragt wurde. Doch zwei Versuche, mit Lappenketten Jungtiere einzukreisen, sind gescheitert. Einmal entwischten zwei Wölfe aus einem Netz, ein anderes mal gingen sie den Verfolgern im wahrsten Sinne des Wortes „durch die Lappen“ .
„Wir versuchen jetzt, sie mit Fußschlingen in speziellen Fallen zu erwischen“ , sagt Wolfsbiologin Gesa Kluth. Sie freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem vom Ministerium eingesetzten neuen Wolfsmanager: „Wir gehen davon aus, dass es ein harmonisches Mit ein ander wird.“