Nicht die aktuelle sportliche Krise, sondern sein wegen Bestechung eines Polizisten verurteilter Sicherheitschef André Waiß war Anlass für eine Präsidiumssitzung des FC Energie Cottbus am Mittwoch. Nach der Verurteilung von Waiß zu 14 Monaten Haft auf Bewährung im August hatte der Verein an ihm als Sicherheitsbeauftragten festgehalten.

Doch davon war der Deutsche Fußballbund (DFB) offenbar nicht begeistert. Er hatte eine Stellungnahme aus Cottbus verlangt, die zu weiterem Briefwechsel führte und Auslöser der Sitzung am Mittwoch war.

Die ging zwar ohne greifbares Ergebnis zu Ende, doch Waiß scheint als Sicherheitschef nicht mehr zu halten. "Wir sind überzeugt, dass der Verein bis zum nächsten Heimspiel die richtige Entscheidung getroffen und umgesetzt hat", so der DFB. Mit der "richtigen Entscheidung" ist offenbar ein neuer Sicherheitschef gemeint, denn mit Waiß setzt sich die Cottbuser Polizei nicht mehr an einen Tisch.

Konsequenzen hat der Verein inzwischen jedoch daraus gezogen, dass er kürzlich mit einem Banner im Fanblock von Rechtsextremisten über den Tisch gezogen wurde. Künftig müssen Spruchbänder, Transparente und Banner, die im Stadion gezeigt werden sollen, bis Dienstag vor einem Heimspiel beim Verein angemeldet werden. Damit soll garantiert werden, dass darüber in der regelmäßigen Sicherheitskonferenz mit Polizei und Ordnungsamt der Stadt Cottbus beraten und der Inhalt geprüft werden kann.

Beim ersten Heimspiel Ende Juli war ein Spruchband mit rechtsextremem Doppelsinn gezeigt worden. "Alte Kraft soll neu entstehen", war da zu lesen und "Ruhm & Ehre der BSG". Die Anmelder hatten, so FCE-Sprecher Lars Töffling, darauf verwiesen, dass sich der Slogan auf das 50-jährige Vereins-Jubiläum 2016 beziehe. Der Spruch ist aber auch Titel eines Albums der Rechtsrockband "Hassgesang".

Diese Band hatte enge Kontakte zur "Widerstandsbewegung Südbrandenburg", die im Sommer 2012 verboten wurde. Und von diesem Neonazi-Netzwerk gab es wiederum langjährige Verbindungen in die Cottbuser Fußballfanszene, speziell zur Gruppe "Inferno".

Rund 50 Rechtsextremisten hatte der Verfassungsschutz vor drei Jahren in den Reihen der Gruppe ausgemacht. Dass sie das Spiel mit Subtextparolen beherrschen, hatte "Inferno" schon mit seinem Gruppenbanner gezeigt. Im Logo ist dort ein Sensenmann zu sehen, derselbe, den die Neonazis vom "Widerstand Südbrandenburg" auf ihren Propagandamaterialien verwendeten.

Dazu benutzte "Inferno" für sein Banner den Slogan: "Die Halben hol' der Teufel". Was für Uneingeweihte harmlos klingt, steht in der rechtsextremen Szene für Gehorsam und "Führertreue". Denn der Spruch ist ein Romanzitat, geäußert von der Figur eines glühenden Nazis im Zweiten Weltkrieg.

Nach ausführlicher Berichterstattung der RUNDSCHAU über diese Zusammenhänge dauerte es noch ein Jahr, bis die Gruppe im Sommer 2013 im Energiestadion ein "Auftrittsverbot" bekam. Doch auch ohne sichtbares Banner ist die Gruppe nach Einschätzungen aus Sicherheitskreisen nach wie vor in der Fankurve aktiv. Auf einer Fotoseite der Cottbuser Fanszene tauchen Fotos auf, die demonstrativ Schals oder Basecaps mit dem Schriftzug "Inferno" im Stadion zeigen.

Die Gruppe wirkt seit Jahren auch als Bindeglied zwischen rechtsradikalen Fangruppen. Ein Beleg dafür sind die von "Inferno" ausgerichteten "Sommerturniere". 2014 trat dort eine Mannschaft mit der einheitlichen Rückennummer 14 an. Die Zahl steht für eine 14 Worte umfassende Rassisten-Parole aus den USA: "Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft für die weißen Kinder sichern."

An dem Turnier nahmen unter anderen auch die "Unbequeme Jugend Cottbus" und die "NS-Boys Chemnitz" teil. "NS" soll dabei für "New Society", neue Gesellschaft, stehen. Gute Beziehungen zu der rechtsradikalen Chemnitzer Gruppe hat aber offensichtlich nicht nur "Inferno". Auf einem Party-Foto ist ein Doppelbanner der NS-Boys und der WK-13-Boys aus der Cottbuser Fankurve zu sehen, dazu der Spruch "unbelehrbar immer weiter". Als "Freunde" verlinkt, findet sich auf der Internetseite der Chemnitzer auch die Cottbuser Gruppe "Colletivo Bianco Rosso", abgekürzt CBR 02.

Von welcher Fan-Grupppe Ende Juli die beiden Anmelder des Spruchbandes "Aus dem Alten wächst die Kraft" waren, gibt der FC Energie nicht preis. Eine Konsequenz hat ein Gespräch mit den Anmeldern aber laut FCE-Sprecher Töffling doch gehabt: "Beide dürfen künftig keine Banner mehr anmelden."