Derweil sich Artischocken, Grünkohl und Tomaten größenmäßig hervortun, wächst fast unscheinbar ein zarter grüner Busch in einem Beet der Muskauer Schlossgärtnerei. Es scheint so, als wollte das Pflänzchen sich und sein Geheimnis nicht jedem gleich offenbaren. Doch wer sich bückt, pflückt und kostet, wird überrascht sein, was zu schmecken ist: leckere Lakritze. Die Lakritz-Tagetes steht quasi sinnbildlich für das Küchengartenfest im Muskauer Park. Es ist einiger Mühe wert, um besondere Geschmacks erlebnisse zu haben. Es ist aber der Mühe wert, hochwertige, regionale und saisonale Produkte zu verarbeiten, um mit qualitätsvoller Esskultur aufzuwarten, findet die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Deshalb gibt es an diesem Wochenende das zweite Küchengartenfest. Dass die reich gedeckten Tische inmitten des Muskauer Parks an der sanierten Schlossgärtnerei stehen - schließt den Kreis aus Geschmacks- und Esskultur. Dass das ein gutes Rezept ist, findet auch die Bewegung Slow Food Deutschland. Bereits zum zweiten Mal hat die Vorsitzende der Organisation, Ursula Hudson, die Schirmherrschaft fürs Fest übernommen.

Die schmackhafte Kombination aus Speis und Trank sowie Ambiente wussten 2012 über 7000 Gäste aus nah und fern zu schätzen. Sie schlemmten im marokkanischen Zelt oder an Pücklers Fachwerkschuppen und trugen außerdem so manche Köstlichkeit fürs Auge oder den Magen nach Hause.

Nun folgt die zweite Auflage an diesem Wochenende. Wieder erobern Küchen den Garten, sogar mehr als 2012, erläutert Projektverantwortliche Anne Schierack. 25 Gartenküchen und Cafés sind vor Ort.

Ein Vorgeschmack gefällig? Wie wäre es mit Baguette mit geräucherter Forelle und Senfrosen oder frischen Ravioli mit Rucola-Walnuss-Füllung oder Möhren-Pastinaken-Rösti mit Kräuterquark? Als Reminiszenz an den grünen Fürsten dürfen natürlich "sein" Eis und Desserts aus der Muskauer Ananas nicht fehlen. Edlen Tropfen war Pückler nie abgeneigt. Portugiesischer oder Schliebener Wein, Lieskower Bier, irischer Whiskey und französischer Champagner standen einst auf den Tafeln in Muskau und Branitz und können heute noch oder wieder gekostet werden.

Wer die eine oder andere Kalorie gleich abtrainieren will, kann bei Jazz in der Küche, der verrückten Küche oder kubanischem Obstsalat - alles Musikangebote - Beine und Hüfte in Bewegung bringen. Wer es geruhsamer mag, legt sich im Zelt in der Orangerie zur Ruhe und lässt sich dort massieren oder schlendert durch die Schlossgärtnerei. "Frisches Essen und frische Musik, besser geht es doch nicht. Und wer diesen tollen Garten sieht, da bleibt doch kein Herz verschlossen", rührt Cord Panning, Geschäftsführer der Pückler-Stiftung, die Werbetrommel für das jüngste der Feste, das möglichst einen Dauerplatz im Bad Muskauer Veranstaltungskalender erhalten soll.

Neben der Gastronomie kommen auch weitere Angebote rund um Küche und Garten nicht zu kurz. 71 Stände sind auf dem Festgelände aufgebaut. Selbst für den Regenfall haben die Organisatoren vorgesorgt. Dann wird ins Innere geräumt.

Mehr Infos unter www.kuechengartenfest.de

Zum Thema:
Das Küchengartenfest öffnet Samstag. 14. September, von 11 bis 19 Uhr seine Pforten, am Sonntag, 15. September, von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt 4,50 Euro, für Kinder 1,50 Euro. Die Familienkarte (zwei Erwachsene mit Kindern) wird für 14 Euro angeboten. Gäste sollten den Eiland-Parkplatz an der B 115 nutzen. 20 Minuten vor Beginn und nach der Veranstaltung fährt von dort ein Shuttlebus in die Innenstadt.Im Juni 2012 wurde die aufwendig sanierte Schlossgärtnerei für die Besucher im Muskauer Park wieder eröffnet. Pückler schwärmte vom Idealbild eines Küchengartens, in dem man sich die frischen Früchte selbst abpflückt.