Die Förderschulen in Brandenburg und Sachsen schaffen es offenbar nicht, ihre Schüler zu einem Schulabschluss zu bringen. Nur 11,5 Prozent der Förderschüler in Brandenburg und 14,1 Prozent der Förderschüler in Sachsen haben am Ende ihrer Schullaufbahn den für eine Berufsausbildung wichtigen Hauptschulabschluss in der Tasche. Im Bundesdurchschnitt gelingt das 25 Prozent der Förderschüler, und in einigen Bundesländern ist die Quote sogar noch deutlich höher: In Thüringen erreichen 41,3 Prozent der Förderschüler den Hauptschulabschluss, im Saarland sind es 39,3 Prozent.

Sachsen unter dem Durchschnitt

Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die am gestrigen Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Bemerkenswert dabei: In Thüringen und dem Saarland besuchen prozentual gesehen ähnlich viele Schüler eine Förderschule wie in Brandenburg und Sachsen. Die Exklusionsquote, die den Anteil der Förderschüler an der Zahl aller schulpflichtiger Kinder und Jugendlichen eines Landes angibt, beträgt in Thüringen 4,7 und in Brandenburg 4,6. Gleichzeitig bescheinigte die Studie dem Land Brandenburg allerdings, dass der Inklusionsanteil an seinen Schulen deutlich gestiegen sei: 44,7 Prozent aller Schüler mit Förderbedarf besuchen eine Regelschule. Damit liegt Brandenburg über dem Bundesdurchschnitt von 31,4 Prozent. Sachsen liegt mit 28,3 Prozent dagegen deutlich darunter. Dabei ist die Zahl der Schüler mit Förderbedarf, die eine Regelschule besuchen, vor allem an weiterführenden Schulen noch sehr gering. Eine Ausnahme bilden nur die Gymnasien in Sachsen, die von fast jedem fünften Schüler mit Förderbedarf besucht werden.

Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) erklärte in Potsdam, die Studie der Bertelsmann-Stiftung zeige, dass Brandenburg bei der Inklusion einen bundesweiten Spitzenplatz einnehme. Dies sei dem starken Engagement der Lehrkräfte, aber auch der Schulträger zu verdanken. Wichtig sei es, nun die Inklusion an den weiterführenden Schulen auszubauen. "Wir wollen, dass möglichst viele Jugendliche mit den unterschiedlichsten Lernbeeinträchtigungen einen bundesweit anerkannten Schulabschluss erhalten", sagte Baaske. Das verbessere ihre beruflichen Chancen ganz erheblich. Im Herbst wollen die Universität Potsdam und das Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) die Ergebnisse des Brandenburger Pilotprojekts zur inklusiven Grundschule vorlegen. Vorerst sollen die am Pilotprojekt beteiligten Grundschulen ihre Arbeit unter den Bedingungen des Pilotprojektes fortsetzen.

Dagegen nannte die Bildungexpertin der Brandenburger Grünen, Marie-Luise von Halem, den hohen Anteil der Brandenburger Förderschüler ohne Schulabschluss "unhaltbar". Im Länderranking belege Brandenburg hier den vorletzten Platz. "Die Landesregierung muss endlich ein Konzept vorlegen, wie diese Quote deutlich minimiert werden kann und Förderschülerinnen und Förderschüler einen anerkannten Abschluss erhalten können", so von Halem. Zusammen mit dem CDU-Bildungsexperten Gordon Hoffmann verwies die Grünen-Politikerin zudem auf Qualitätsprobleme bei der Inklusion. "Bei der Umsetzung der Inklusion hakt es weiter an vielen Stellen, wie beispielsweise die Probleme der sehr großen Klassen und der zu geringen Anzahl an Lehrkräften zeigen", sagte von Halem. Auch Hoffmann betonte, dass Brandenburg gerade bei der Unterrichtsqualität meilenweit hinterherhinke, weil die Klassen an den Schulen deutlich zu groß ausfielen.

Ministerin sieht das Positive

Sachsens Kulturstaatsministerin Brunhild Kurth (CDU) betonte dagegen gestern, dass der Freistaat das bundesweit beste Bildungssystem in Deutschland aufweise. Dabei bezog sie sich allerdings nicht auf die Bertelsmann-Studie, sondern auf eine Untersuchung der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" und des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, die Sachsen erneut einen bundesweiten Spitzenplatz zuerkannten, während Brandenburg unter "ferner liefen" rangierte. Im Ländervergleich weise der Freistaat bei der Förderinfrastruktur und der Schulqualität besondere Stärken auf, so Kurth. Verbesserungspotenzial sieht die Christdemokratin dagegen bei der hohen Zahl der sächsischen Schüler, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen. Das könne das Land noch nicht zufriedenstellen.

Die Bildungspolitikerin der Grünen, Petra Zais, verwies dagegen darauf, dass in Sachsen Migranten noch immer schlechtere Bildungschancen hätten. "Sachsen weist nach wie vor fast doppelt so viele Schulabbrecher auf wie im Bundesdurchschnitt", so Zais. "In puncto Bildungsgerechtigkeit besteht erheblicher Nachholbedarf." Der Jubler der Bildungsministerin sei deswegen völlig fehl am Platze.