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| 21:43 Uhr

Debatte um staatliche Leistungen für Pflegekinder
Fehlstart in Beruf für Pflegekinder

Cottbus. Lausitzer Pflegefamilien beklagen Gesetzeslage: Staat kassiert die ersten eigenen Einkünfte.

Pflegefamilien beklagen auch in der Lausitz, dass der Staat ihre Mündel mit dem Start in die Ausbildung finanziell benachteiligt. In der Praxis laufen die Zahlungen des Pflegegeldes der Jugendämter zwar meist weiter, solange das volljährige Pflegekind noch ausgebildet wird. Die jungen Leute aber müssen bei einer betrieblichen Lehre zwei Drittel ihrer Ausbildungsvergütung an das Jugendamt abgeben. Das rechnet diesen Betrag dem Pflegegeld gegen. Jugendlichen, die eine geförderte Ausbildung absolvieren und damit ein Ausbildungsgeld oder eine Berufsausbildungsbeihilfe erhalten, bleibt so vom ersten selbst verdienten Geld nichts. Diese staatlichen Zuwendungen sind Kraft Gesetzes „in voller Höhe als zweckgleiche Leistung“ einzusetzen. Das bestätigt Sarah Werner, die Sprecherin des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Und das ist bundeseinheitlich im Sozialgesetzbuch geregelt.

Pflegeeltern laufen Sturm dagegen. Denn die Mündel in Berufsausbildung werden gegenüber den jungen Menschen, die in normalen Familien aufwachsen, benachteiligt: Ihre ersten eigenen Einkünfte und das Kindergeld, das in der Regel bis zum Berufsabschluss und wirtschaftlicher Eigenständigkeit gezahlt wird, werden bei Pflegekindern für deren eigenen Unterhalt herangezogen. Ihre Lebenssituation aber ist von überforderten Eltern verursacht, deren Leistungsfähigkeit keine Rolle spielt, beklagen die Pflegefamilien. Etwa 2000 Kinder und Jugendliche sind in Brandenburg in Vollzeitpflegestellen untergebracht.