Mit der Untersuchung kommt die Bundesregierung einem Auftrag des Bundestages aus dem Jahr 2002 nach. Die ersten drei Hartz-Gesetze regeln die Neuausrichtung arbeitsmarktpolitischer Instrumente sowie den Umbau der Arbeitsagenturen. Die unter dem Reizwort Hartz IV bekannte Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld (Alg) II war ausdrücklich nicht Gegenstand der Untersuchung. Dazu ist eine gesonderte Studie in Vorbereitung.

Durch PSA länger arbeitslos
In dem Abschlussbericht wird eingeräumt, dass die "innovativen Elemente" in der Arbeitsmarktpolitik "nicht immer erfolgreich" seien. So gab es schon bis Mitte 2003 in jedem Arbeitsagenturbezirk eine PSA, die Arbeitslose befristet einstellen und vorrangig an andere Betriebe verleihen sollte. Ziel war die Dauereinstellung in einem solchen Unternehmen. Im Jahresdurchschnitt 2005 gab es aber lediglich 17 000 PSA-Beschäftigte. Ernüchterndes Fazit des Berichts: Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass PSA-Beschäftigte gerade wegen dieser Tätigkeit "später als vergleichbare Arbeitslose ihre Arbeitslosigkeit beenden". In diese Kategorie fallen auch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM), die es allerdings schon vor den Hartz-Gesetzen gab. Die Zahl neuer ABM - sie müssen das Kriterium einer zusätzlichen Beschäftigung im öffentlichen Interesse erfüllen - ging dann auch zwischen 2000 und 2005 um 70 Prozent auf nur noch 78 000 zurück. Der Bericht bescheinigt den ABM jedoch auch eine "psychosoziale und eine gesundheitliche Dimension". Gemeint sind insbesondere strukturschwache Regionen Ostdeutschlands, in denen sich kaum andere Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.
Ein gemischtes Resümee zieht die Expertise bei der Neugestaltung der Mini-Jobs. Zwar gab es bis Mitte 2006 fast 1,6 Millionen zusätzliche Mini-Jobber. Doch die damit erhoffte "Brücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung" für Arbeitslose erwies sich als Trugschluss. Die geringfügigen Beschäftigungen werden überwiegend im Nebenerwerb ausgeübt.

Nachgefragter Existenzgründerzuschuss
Zu den sinnvollen Instrumenten gehören laut Bericht zeitlich befristete Lohnkostenzuschüsse an Arbeitgeber, wenn sie einen förderbedürftigen Arbeitslosen einstellen. Im Jahr 2005 betrug die Zahl der Neuzugänge rund 130 000. Knapp die Hälfte entfiel auf Bezieher von Alg II. Stark nachgefragt waren auch der Existenzgründerzuschuss (Ich-AG) und das Überbrückungsgeld. Dank dieser Förderinstrumente wurden im Vorjahr knapp 248 000 Neugründungen aus Arbeitslosigkeit registriert. Zu den Gewinnern gehörten vor allem Frauen. Ob dabei eine dauerhafte Beschäftigung überwiegt, ließ sich noch nicht verlässlich ermitteln.
Der Bericht warnt gleichwohl vor einer rein betriebswirtschaftlichen Ausrichtung der Arbeitsagenturen. Dadurch gerate die Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit "zu weit aus dem Blickfeld". Hintergrund ist die gängige Praxis, dass Arbeitsagenturen schwer vermittelbare Erwerbslose lieber zum steuerfinanzierten Alg II durchreichen und dafür sogar eine Strafgebühr an den Bund in Kauf nehmen, anstatt womöglich noch mehr Geld für eine Förderung der Betroffenen aufzuwenden.
Die Ergebnisse der Untersuchung bilden die Grundlage für weitere arbeitsmarktpolitische Reformen im kommenden Jahr. Dabei geht es in erster Linie um die Neuordnung des Niedriglohnsektors.