"Wir müssen nun prüfen, inwieweit die Entscheidung rechtlich angreifbar ist", sagte Wettiner-Anwalt Jens Kaltenborn. Ihnen bleibe ein Monat Zeit, eine so genannte Nichtzulassungsbeschwerde zu erheben und zur Begründung ein weiterer Monat. "Wir müssen uns bis April endgültig entschieden haben." Dazu würden er und Kollegin Gabriele Helfrich prüfen, ob eine solche Beschwerde Aussicht auf Erfolg habe. Sollten sie mit ihren Rückübertragungsansprüchen scheitern, bleibe ihnen laut Entschädigungsgesetz ein finanzieller Ausgleich.
"Der ist aber sehr gering", sagte Helfrich. "Wenn sie noch einigermaßen adäquat zum Vermögenswert wäre, könnte man sich das ja überlegen." Immerhin liegt der Streitwert im Millionenbereich. Kaltenborn und Helfrich vertreten in dem seit 1999 anhängigen Rechtsstreit den derzeitigen Chef des Hauses Wettin, Markgraf Maria Emanuel von Meißen, seine drei Schwestern sowie Bruder Prinz Albert.
Sollte ihre Beschwerde Erfolg haben und eine Revision zugelassen werden, wird mündlich vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig verhandelt.
Bei Ablehnung der Revision gelte der Beschluss des Dresdner Gerichts: dann seien die Immobilien für die Wettiner verloren. Sie wollen insgesamt fünf Schlösser, Villen und Anwesen in und um Dresden zurück. Dazu gehört Schloss Wachwitz, der zwischen 1934 und 1936 am Loschwitzer Elbhang errichtete letzte Wohnsitz der Familie vor der Flucht. Weiteres Streitobjekt in separaten Verfahren ist Schloss Moritzburg. Der Freistaat ist der Auffassung, rechtmäßiger Eigentümer einiger dieser Immobilien zu sein.
"Da wir diese für den eigenen Bedarf nicht benötigen, wollten wir sie Gewinn bringend veräußern", hieß es aus dem Finanzministerium. Allerdings hätten sich die erzielbaren Gewinne durch den jahrelangen Prozess dadurch verringert, dass die Gebäude dem Verfall preisgegeben seien. "Durch die ungeklärte Situation sind potenzielle Investoren abgesprungen." Sollte es bei der Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden bleiben -wovon die Seite ausgehe - würde der Freistaat die Schlösser und Herrenhäuser weiter auf dem Markt anbieten.
Die Immobilien wurden zwischen 1945 und 1949 enteignet und befinden sich heute im Besitz des Landes, der Stadt Dresden und auch einer Wohnungsgesellschaft. Nach einer grundsätzlichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1994 bestehen für alle Enteignungen zwischen 1945 und 1949 im Zweifelsfall keine Rückgabeansprüche nach Vermögensgesetz, weil diese auf besatzungshoheitlicher Grundlage vorgenommen wurden. Das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen hatte die in der ersten Hälfte der 90er Jahre von den Wettinern gestellten Ansprüche auf Rückübertragung mit Verweis darauf abgelehnt.