Einige Beispiele:

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wurde im August 2011 erst im zweiten Wahlgang von 26 der 51 Landtagsabgeordneten zur Ministerpräsidentin des Saarlands gewählt - sie führte eine "Jamaika"-Koalition mit FDP und Grünen an. Bei der ersten Abstimmung gegen SPD-Landeschef Heiko Maas hatten beide 25 Stimmen bekommen, bei einer Enthaltung.

Hannelore Kraft, Nordrhein-Westfalens SPD-Regierungschefin, fehlte im Juli des Jahres 2010 im ersten Wahlgang eine Stimme für die Mehrheit. Sie wurde im zweiten Wahlgang mit 90 Stimmen gewählt, was der Mandatszahl von SPD und Grünen entsprach. Weil sich die elf Abgeordneten der Linken offenbar enthielten, erreichte Kraft die einfache Mehrheit für ihre rot-grüne Minderheitsregierung.

Christine Lieberknecht, Thüringens CDU-Ministerpräsidentin, wurde im Oktober 2009 erst im dritten Wahlgang gewählt. Zweimal fehlte ihr eine Stimme. Im dritten Anlauf, bei dem die einfache Mehrheit reicht, waren es 55 Stimmen für ihre schwarz-rote Koalition und 27 für den Gegenkandidaten der Linken, Bodo Ramelow, bei fünf Enthaltungen.

Andrea Ypsilanti, damalige Hessen-SPD-Chefin, versuchte im November 2008 erfolglos, mit Hilfe der Linken Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung zu werden. Vier Abgeordnete aus der eigenen Fraktion verweigerten ihr einen Tag vor der Wahl die Unterstützung.

Heide Simonis (SPD) erlebte in Schleswig-Holstein die spektakulärste Abfuhr bei der Wahl zur Regierungschefin im März 2005. Sie fiel in vier Wahlgängen durch und trat danach nicht mehr an. Sie wollte eine rot-grüne Koalition mithilfe des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW) bilden. Diese verfügte im Kieler Landtag exakt über die zur Wahl benötigten 35 Stimmen - Simonis erhielt aber jeweils nur 34.