Seit Anfang August weiß Wolfgang Neskovic (parteilos), dass er nicht mehr der unangefochtene Bewerber auf das Direktmandat im Wahlkreis 64 (Cottbus/Spree-Neiße) ist. Die Linke hat ihm 2008 zwar zu Füßen gelegen, als er gegen Steffen Reiche (SPD) gewann. Doch als die Linke 2009 die rot-rote Koalition in Potsdam besiegelt hatte - was Neskovic bis heute als Fehler ansieht -, begannen die Spannungen. Seither hat er die Regierungspolitik in Sachen Braunkohle, beim Personalabbau im öffentlichen Dienst oder jüngst wegen der Hochschulfusion in der Lausitz kritisiert. Was nach Auffassung von Neskovic jetzt dazu geführt hat, dass ihn die Parteispitze nicht mehr als Direktbewerber haben will.

Zunächst erklärte die Spremberger Landtagsabgeordnete Birgit Wöllert, gegen Neskovic anzutreten. Doch entgegen der in der Linkspartei üblichen Mitgliederversammlung zur Wahl des Direktkandidaten entschied sich der Kreisvorstand Lausitz, diesmal eine Vertreterversammlung einzuberufen. Statt 850 Parteimitglieder sollten 66 Delegierte entscheiden. Neskovic vermutet, dass hier ausgewählte Vertreter gegen ihn stimmen sollen. "Wir haben im Vorstand lange darüber beraten und uns letztlich für die Vertreterversammlung entschieden", erklärt Kreischef Matthias Loehr, der in den Landtag nachgerückt ist.

Dennoch haben sich Loehr und der Vorstand einem Protest von der Gubener Basis gebeugt. Von dort war ein "ausgefeiltes juristisches Schreiben" eingegangen, das auf einer Mitgliederversammlung beharrte. "Um einem Verfahren vor dem Schiedsgericht der Partei aus dem Weg zu gehen", sagt Loehr, "haben wir eingelenkt."

Neskovic beklagt, dass ihm infolgedessen Beschlussvorlagen des Kreisvorstandes vorenthalten worden seien, und er vom Versammlungstermin 3. November erst aus der Zeitung erfahren habe. Daraufhin habe er Loehr auf die Einhaltung von Fristen aufmerksam gemacht, was schließlich zum Termin 15. Dezember 2012 geführt hat.

Auf eine Fortsetzung der parteiinternen Schlammschlacht an jenem Dezember-Samstag in Cottbus können sich nun beide Seiten vorbereiten. Mit dem Kreischef Lausitz Matthias Loehr, einst Neskovics Büroleiter in Cottbus, zieht der Bundesrichter a. D. schon mal scharf ins Gericht. Er empfiehlt ihm, vom Posten des Landeswahlkampfleiters zurückzutreten, "wenn er nicht einmal imstande ist, die Aufstellung von Kandidaten formal korrekt durchzuführen". Seine Positionen werde Neskovic auf der Mitgliederversammlung verteidigen. "Ich habe nichts anderes gemacht, als dass ich meinen Wahlversprechen treu geblieben bin", sagt er.