In Leipzig, in Eilenburg, in Torgau stellen sich Umweltschützer den Männern mit den Motorsägen in den Weg, die die Bäume auf den Deichen roden und Verteidigungswege für die Bundeswehr freiräumen wollen. Die Aktivisten ketten sich an Stämme und rufen die Justiz zu Hilfe. Mit Erfolg: Das Oberverwaltungsgericht entschied, dass ein langwieriges, aber sorgfältiges Planfeststellungsverfahren nötig ist, um einen irreparablen Kahlschlag zu vermeiden.
Doch der Baumstreit ist nicht der einzige Fall. Jetzt droht der Krach an der Talsperre Malter, 25 Kilometer südlich von Dresden, zu eskalieren. Der 84 Hektar große Stausee, der die Rote Weißeritz aufnimmt und sich zu einem beliebten Naherholungsgebiet entwickelt hat, war im August übergelaufen und hatte die ganze Gegend an seinem Unterlauf überspült. Die dramatischen Folgen waren in Dresdens Innenstadt zu besichtigen. Flath will nun in Malter den Stöpsel ziehen. Der Wasserspiegel, der bereits wegen Reparaturarbeiten um sieben Meter abgesenkt wurde und ein ödes, muffiges Geröllufer hinterlassen hat, soll auf unterstem Niveau bleiben, um den Stauraum zu vergrößern und die Vorwarnzeiten zu verlängern.
Doch Datschenbesitzer und Bootsverleiher, Hoteliers und Campingplatzbetreiber laufen Sturm. Nicht nur, dass ihre Stege nun sinnlos in der Luft baumeln. Das Becken würde künftig kaum noch als Badesee taugen. Das Gewässer drohe durch die steigende Schwermetallbelastung mit Arsen, Blei, Kadmium und Zink sowie eine verstärkte Algenbildung umzukippen, warnt jetzt das Regierungspräsidium Dresden in einer Stellungnahme. Übrig bliebe ein stinkender Sumpf.
Der Kultur- und Heimatverein sammelt seit Wochen Unterschriften, die den Umweltminister bei einem Gespräch am 13. März übergeben werden sollen. „Es kann nicht sein“ , sagt Vereinssprecher und Malters Ortsvorsteher Mario Walther, „dass die Region stirbt. Wir sollen das Bauernopfer werden.“ Zehntausende Bürger seien betroffen. Der Verein will, dass der Wasserpegel nur leicht gesenkt wird. Die Talsperre könne man bei bedrohlichen Vorhersagen ablaufen lassen.
Doch Minister Flath sieht das ganz anders: „Eigentlich wurde die Talsperre vor 90 Jahren für den Hochwasserschutz gebaut. Seither wird sie aber immer mehr touristisch genutzt. Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass Gewohnheitsrechte entstanden sind, die man kaum noch zurückschrauben kann.“ Flath bleibt hart: „Der Wasserspiegel muss runter. Den Unterliegern steht dieser Schutz zu.“
Der Minister fühlt sich für den Hochwasserschutz politisch verantwortlich. Er will, dass das Verfahren zügig geht. Unterdessen hat sich der Tourismusverband als Schlichter ins Spiel gebracht und Skizzen für einen Spielpark mit Wasserskianlage, Seilbahn, Fontänenhüpfern und allerlei anderen Attraktionen vorgeschlagen.