Die 34-jährige Berlinerin zittert sichtbar, als sie sich auf den Zeugenstuhl im Schwurgerichtssaal des Landgerichtes Cottbus setzt. Sie war mit ihrer neunjährigen Tochter im Februar in Cottbus zu Besuch und saß an diesem Nachmittag am Küchenfenster in der Innenstadt.

Direkt vor diesem Fenster spielte sich der versuchte Totschlag ab, für den sich drei Cottbuser seit Ende September vor Gericht verantworten müssen. Darunter sind ein Türsteher mit Rockervergangenheit sowie ein bekannter Cottbuser Kickboxer und Neonazi. Zusammen mit dem dritten Angeklagten sollen sie den "Hells Angel"-Rocker durch zahlreiche Schläge, Tritte und vor allem Messerstiche lebensgefährlich verletzt haben.

Anlass soll ein vorangegangener Streit des Rockers mit dem Kickboxer wenige Stunden vorher gewesen sein. Um sich dafür zu rächen, so die Anklage, soll der Kickboxer dann Freunde zusammengetrommelt und den verfeindeten Rocker auf die Straße gelockt haben. Danach kam es zu gewalttätigen Racheaktionen der verfeindeten Gruppen in Cottbus.

Die Zeugin, die am Fenster die Tat beobachtet hatte, tat sich im Gerichtssaal jedoch schwer, die Angeklagten wiederzuerkennen und genau zu sagen, wer Waffen wie Messer, Pistole oder eine Machete trug. Die Erinnerung an das Geschehen und der Anblick des fast verbluteten Schwerverletzten, bei dessen Notversorgung sie half, belasteten sie noch immer: "Ich habe heute noch Schlafstörungen."

Auch ein Polizist aus Forst, der mit seiner Familie im Auto saß, als er zufällig Zeuge der Ereignisse wurde, konnte keinen der Angeklagten wiedererkennen. Er schilderte jedoch, dass er aus wenigen Metern Entfernung sah, wie drei Männer das Opfer erst schubsten und als es am Boden lag schlugen und traten. Einer habe dann ein Messer gezogen und auf den Mann eingestochen.

Zwei Mitarbeiterinnen eines benachbarten Ladens schilderten übereinstimmend, dass etwa zehn junge Männer, die zum Teil bewaffnet waren, sich dort versammelt hatten. Ihre Beschreibungen der Männer, die bewaffnet waren, blieben jedoch recht allgemein. Fast alle hätten Jacken und Mützen angehabt, seien so um die 30 Jahre alt gewesen und mittelgroß. Wer von den Versammelten dem Rocker die lebensbedrohlichen Verletzungen beigebracht hat, konnten sie von ihrem Laden aus nicht sehen.

Deutlich wurde jedoch an diesem dritten Verhandlungstag, mit welcher Kaltblütigkeit mitten in der zu dieser Tageszeit gut besuchten Innenstadt diese gewalttätige Auseinandersetzung gesucht wurde. Zahlreiche Passanten und Autos hielten die Angreifer nicht davon ab, den Rocker fast zu töten.

Ob die Angeklagten dafür strafrechtlich verantwortlich sind, sollen am Montag weitere Zeugenaussagen aufklären helfen. Die Angeklagten, die in Untersuchungshaft sitzen, äußern sich bisher nicht. Der Prozess wird voraussichtlich noch bis weit in den November hinein andauern.