In der letzten Plenarsitzung in der Nacht auf Sonntag nickten einige der Delegierten immer wieder weg. Emotionale Ausbrüche wurden nur noch mit Mühe unterdrückt und die Unsicherheit, ob der Gipfel dramatisch scheitern oder doch noch in einer Einigung enden würde, zehrte an den Nerven der Teilnehmer.

Der Punkt, der dem später erreichten Kompromiss beinahe den Todesstoß versetzte, war die rechtliche Ausgestaltung des Klimaabkommens, das nach 2020 in Kraft treten und damit das ebenfalls am Sonntag verlängerte Kyoto-Protokoll ablösen soll.

Die Europäische Union forderte ein deutlich formuliertes Bekenntnis, dass alle Länder zur Einhaltung ihrer Emissionsziele verpflichten sollte. Die Gegner des EU-Plans wurden von Indien angeführt. Umweltministerin Jayanthi Natarajan argumentierte, dass der EU-Vorschlag das seit 20 Jahren geltende Prinzip unterwandern würde, wonach Entwicklungsländer weniger Verantwortung für den Klimawandel hätten als Industrieländer, die mit 200 Jahren Umweltverschmutzung für die Erderwärmung maßgeblich verantwortlich seien. Bis nach Mitternacht schwappte die Debatte hin und her, die Redner stellten sich in fast gleichmäßiger Verteilung hinter die eine oder die andere Gruppe. Schließlich rief Konferenzpräsidentin Maite Nkoana-Mashabane eine Pause aus und drängte die Vertreter der EU und Indiens, sich in einem Einzelgespräch auf eine Kompromissformel zu einigen, während Hunderte andere Delegierte sich die Beine vertraten oder kurz die Augen schlossen. Nach den erfolglosen Verhandlungen zu diesem zentralen Punkt gab Nkoana-Mashabane der indischen Vertreterin Natajaran und der EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard zehn Minuten Zeit für eine Einigung. Am Ende brauchten sie 50.

Am frühen Sonntagmorgen war der Kompromiss schließlich perfekt. Und wie so oft in Abschlusserklärungen war es auch beim letzten der vielen Kompromisse auf der UN-Klimakonferenz nur um ein, zwei Wörter gegangen. In der umstrittenen Klausel wurden die Länder dazu aufgerufen, innerhalb von drei Jahren die Verhandlungen für die Nachfolge des Kyoto-Protokolls abzuschließen. Fraglich blieb bis zuletzt, welche Art von Einigung dabei herauskommen sollte und ob sich die Entwicklungsländer angesichts der Wortwahl aus einem rechtlich bindenden Abkommen herauswinden können würden, wie die EU befürchtete. Dafür wurde bis zum Ende um eine Formulierung gefeilscht, mit der beide Seiten leben konnten. Es war 3:30 Uhr früh, als sich ie Verhandler schließlich auf den lang ersehnten Kompromiss einigten – der Verhandlungsmarathon in Durban war mit über einem Tag Verspätung vorbei.

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zum ThemaC hina hat die Ergebnisse der Klimakonferenz in Durban begrüßt, aber den reichen Industrieländern die Schuld für die nur langsamen Fortschritte im Klimaschutz gegeben. „Den entwickelten Ländern mangelt es an politischem Willen, um die Emissionen zu verringern und den Finanz- und Technologietransfer zur Unterstützung der Entwicklungsländer zur Verfügung zu stellen“, sagte der chinesische Unterhändler Xie Zhenhua nach Angaben von Chinas Staatsmedien am Sonntag in Durban in Südafrika. „Der Mangel an politischem Willen ist der Hauptgrund, der die Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft im Umgang mit dem Klimawandel behindert“, sagte Xie Zhenhua. China erwarte auf dem Gipfel in Katar „politische Ernsthaftigkeit“ von den Industrieländern.