Die Potsdamer Nikolai-Kirche zählt neben dem Schauspielhaus und dem Alten Museum in Berlinzu den Hauptwerken von Karl Friedrich Schinkel. "Sie macht uns Sorgen", klagt der Direktor der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow. "Hier droht Substanzverlust." Denn die Reparaturen an der 1837 eingeweihten Kirche, die nach Vorbild des Petersdoms in Rom und des Pariser Invalidendoms geschaffen wurde, gehen nur langsam voran. Derzeit bemüht sich die evangelische Kirche um Zuschüsse in Höhe von 3,4 Millionen Euro, um die 2002 begonnene, insgesamt fast doppelt so teure Außensanierung fortsetzen zu können. Auch die Elisabethkirche in Berlin-Mitte zählt Kiesow zu den bedrohten Schinkelbauten. "Es ist so, die Toten sind geliebter als die Lebenden", sagt er lakonisch. Denn das Engagement für den Wiederaufbau der zu DDR-Zeiten abgerissenen Schinkelschen Bauakademie in Berlin sei wei t größer als für die schwer beschädigte Kirche, die immerhin noch als Ruine erhalten ist.
Auch Schloss Petzow, zwischen 1825 und 1835 nach Plänen Schinkels in der Nähe Potsdams errichtet und heute ein beliebtes Ausflugsziel, sei in "sehr bejammernswertem Zustand", erklärt der Leiter der brandenburgischen Denkmalpflege, Thomas Drachenberg.
Anderen Schinkelbauten ist es besser ergangen. Auf dem Potsdamer Pfingstberg steht ein kleines Gartenhaus, das als sein erstes ausgeführtes Werk gilt: der Pomona-Tempel von 1801. 1993 wurde die Sanierung abgeschlossen. Mit klaren Farben und weitem Blick über die Stadt, den Berliner Grunewald, das ebenfalls von Schinkel entworfene Schloss Glienicke und die Pfaueninsel mit weiteren Schinkelbauten präsentiert sich das Gartenhaus auf dem höchsten Berg der Umgebung Potsdams. Seit 1999 zählt es zum Weltkulturerbe der Unesco.
Als vorbildlich restaurierte Bauwerke gelten auch die Kirchen von Annenwalde, Straupitz und Müncheberg oder die Kriegsdenkmäler von Großbeeren und Dennewitz. Und die 1817 vollendete Kirche in Neuhardenberg mit ihrem Sternenhimmel nach Vorbild eines ebenfalls von Schinkel entworfenen Bühnenbildes für Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Die Zauberflöte".
Wie viele preußische Bauwerke tatsächlich auf Karl Friedrich Schinkel zurückgehen, ist umstritten. Im Auftrag des Königs habe der Baumeister als Prototyp eine "Normalkirche" entworfen, erläutert der Berliner Kunsthistoriker Andreas Bernhard. "Immer wenn es schnell gehen sollte, wurde nach diesen Plänen gebaut", sagt der Wissenschaftler, der auch Kurator der im Frühjahr in Potsdam geplanten Schinkel-Ausstellung ist. In Brandenburg sind mehr als 50 Bauwerke unter Beteiligung Schinkels entstanden. Doch nur etwa 20 davon gelten als eigenständige Werke des Architekten.

Zum Thema Architekturpreis
 Die Weimarer Studenten Bastian Kraß (24) und Ingmar Pohlmann (29) sind Gewinner des Schinkel-Architekturwettbewerbs, der heute in Berlin verliehen wird. Sie erhalten den Preis für ihr städtebauliches Konzept für die transnationale Stadt Frankfurt(Oder)-Slubice, teilte der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin gestern mit. Der Preis für konstruktiven Ingenieurbau ging an vier Studenten der Technischen Universität (TU) Berlin. Der Schinkelwettbewerb ist der größte Förderwettbewerb für junge Architekten und Ingenieure im deutschsprachigen Raum.