Für Axel Kahlhorn ist es ein Schicksalstag. Der Geschäftsführer der Freien Schule Angermünde sitzt auf einem der Holzstühle im sauerstoffarmen Sitzungssaal des Potsdamer Landesverfassungsgerichts. Konzentriert hört er zu, wie Gerichtspräsident Jes Möller die Verhandlung über die Normenkontrollklage von 31 Brandenburger Landtagsabgeordneten gegen die rot-roten Kürzungen bei den Schulen in freier Trägerschaft leitet.

Bekanntlich hatte die Regierungskoalition aus SPD und Linkspartei in der vergangenen Legislaturperiode beschlossen, die Zuschüsse für die 170 Brandenburger Schulen in freier Trägerschaft auf der Basis eines jährlichen Pauschalbetrags für jeden Schüler zu leisten. Zuvor berechneten sich die Zuschüsse nach den Personalkosten: Die freien Schulen erhielten 94 Prozent der Kosten einer vergleichbaren öffentlichen Schule vom Land erstattet. "Für uns geht es um 60 000 Euro pro Jahr", sagt Kahlhorn später Journalisten. "Wir sind nur eine kleine Elterninitiative - und sind nach drei Jahren an der Stelle angekommen, wo es Konflikte gibt." Die Lehrer hätten in den vergangenen Jahren auf Gehaltsanpassungen verzichtet. Nun aber wollten sie höhere Löhne durchsetzen und hätten deswegen einen Betriebsrat gegründet. Gleichzeitig brauche die Schule dringend ein angemessenes Gebäude für die Oberschule. "Wir haben nur die Wahl zwischen Pest und Cholera", sagt Kahlhorn. Die Schulen hoffen nun auf das Wohlwollen Justitias: In ähnlich gelagerten Fällen in Sachsen und Thüringen waren die freien Träger vor den Verfassungsgerichten erfolgreich.

Vor Gericht spricht unterdessen der Lychener Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann, der zusammen mit dem früheren FDP-Parlamentarier Andreas Büttner aus Templin und der Bildungspolitikerin der Grünen, Marie-Luise von Halem, zu den Klägern zählt.

Wichtige Parameter zur Ermittlung des Zuschusses für die freien Schulen würden nicht mehr im Schulgesetz geregelt, sondern durch fiktive Größen ersetzt, die durch das Bildungsministerium festgelegt werden, beklagt Wichmann. "Die Landesregierung und die Koalitionsfraktionen haben deutlich gemacht, dass es ihnen darum geht, die Entwicklung der freien Schulen in Brandenburg zu hemmen."

Und Andreas Büttner macht noch einmal deutlich, dass gestiegene Elternbeiträge und auch kapitalstarke Spender in ländlichen Regionen eher selten seien. Dagegen weist der Rechtsanwalt der Landesregierung, Jörg Ennuschat, alle Willkürvorwürfe zurück. Es stehe nicht zu erwarten, dass nun alle freien Schulen schließen würden, und es sei nicht Aufgabe des Gesetzgebers, jede einzelne Schule zu schützen.

Und dennoch: "Emotional ist es nicht schön zu hören, dass es uns gut gehen soll", sagte Axel Kahlhorn nach der Verhandlung. "Das ist irgendwie zynisch." Auch andere Vertreter der freien Schulen waren empört. So berichtete Detlef Hadorp von der Arbeitsgemeinschaft der freien Waldorfschulen, dass der Waldorfschule in Cottbus "das Geld hinten und vorne nicht reicht - bei den Gehältern ist man mittlerweile knapp an der Grenze des gesetzlich Zulässigen." Ein Urteil indes wollen die Potsdamer Richter erst in den nächsten drei Monaten fällen.