Die Freigelassenen seien von den Entführern geschlagen und beleidigt worden, sagte ein Sprecher. "Das Ministerium hat seine Arbeit eingestellt, so lange bis die restlichen Kollegen freigelassen werden." Die Beamten sowie zahlreiche Besucher waren am Dienstag aus dem zum Ministerium gehörenden Institut für Kulturforschung in Bagdad verschleppt worden.
Ein Beamter, der die Hotline für die Angehörigen der Entführungsopfer beim Hochschulministerium betreut, behauptete, die Miliz des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr habe die Mitarbeiter des Instituts für Kulturforschung entführt. Sie würden an verschiedenen Orten im Stadtteil Sadr-City festgehalten.
Regierungschef Nuri al-Maliki, zu dessen Schiiten-Allianz die Sadr-Bewegung gehört, sprach gestern vor der Presse nicht von Terroristen, sondern nannte die Entführer "unwissende Menschen, die nicht wissen, was sie anrichten". Das irakische Bildungssystem müsse um jeden Preis gerettet werden. Das von einem Schiiten geleitete Innenministerium meldete, bisher seien etwa 40 Beamte freigekommen. Diese seien von der Polizei "befreit worden". Allerdings sei die Zahl der Entführten insgesamt niedriger gewesen, als vom Hochschulministerium angegeben, so dass sich jetzt nur noch eine "kleinere Anzahl von Menschen" in der Gewalt der Kidnapper befinde.
An der Entführung waren Männer in Uniformen einer Sondereinheit des Innenministeriums beteiligt. Ein Sprecher des Hochschulministeriums erklärte, die nach der Entführung festgenommenen fünf Polizisten stünden aber nicht unter Tatverdacht, ihnen werde nur vorgeworfen, dass sie nichts gegen die Kidnapper unternommen hätten.
Bei neuer Gewalt kamen im Irak gestern mindestens 27 Menschen ums Leben. Das US-Militär teilte mit, Aufständische hätten in der Anbar-Provinz am Dienstag vier amerikanische Soldaten getötet. Bei dem folgenschwersten Anschlag explodierte eine Autobombe an einer Tankstelle in der Nähe des Innenministeriums. Zehn Menschen starben nach Angaben der Polizei.
In Mossul wurden eine irakische Journalistin der Lokalzeitung "Al-Masar" und ihr Fahrer erschossen. Eine andere Zeitung in Mossul ist unterdessen wegen einer Karikatur des Regierungschefs von der Schließung bedroht. (dpa/ta)