Rund 100 000 Wohnungen wurden in Sachsen in den vergangenen zehn Jahren abgerissen - weitere 300 000 sollen in den nächsten zehn Jahren weichen. Das ist der Schwerpunkt der Städtebauförderung, die Innenminister Markus Ulbig (CDU) gestern in Dresden vorstellte. Mit dem Abriss von Häusern, für die sich keine Käufer oder Mieter finden, sollen die Städte trotz Bevölkerungsrückgang attraktiv bleiben.Treffen wird das nicht mehr nur unsanierte Plattenbauten - die vielerorts bereits ausgedünnt sind. Nun stehen die spärlich bewohnten Gründerzeit-Siedlungen im Fokus der Abrissbirne. "Es zieht keiner mehr in sanierte Gebäude, wenn das Wohnumfeld nicht stimmt", sagte der Innenminister. Will heißen: Ein einzelnes saniertes Haus in einer leeren, heruntergekommenen Straße ist langfristig keine sinnvolle Investition. Hier sollen nach Wunsch Ulbigs die Städte und Gemeinden "von Straße zu Straße entscheiden, ob ein Quartier Zukunft hat oder nicht".

Die Platte, wo sie denn noch steht, ist dabei eine verschwindende Erscheinung. Weil die Plattenbau-Bewohner der ersten Generation etwa gleichalt sind und gemeinsam älter werden, steht den Siedlungen laut Ulbig eine "zweite Welle des Leerstands" bevor. Ein Fall für das Programm zur Revitalisierung von Brachflächen, für das Sachsen bis 2014 insgesamt 20 Millionen einplant. Eine gute Nachricht hatte Ulbig indes auch, er beobachtet einen "Run auf die Innenstädte". Das Wohnen im Zentrum werde auch in kleineren Städten immer beliebter, darauf müsse die Städtebauförderung reagieren.

Das Kabinett hat gestern einer Verwaltungsvereinbarung "Städtebauförderung 2013" mit dem Bund zugestimmt. Damit dürften bis 2017 um die 112 Millionen Euro aus Bund-Länder-Programmen in Sachsens Kommunen fließen. Das sind 3,1 Millionen weniger als im letzten Jahr, weil der Bund diesmal den Westländern mehr zukommen ließ. Fördermittel aus den Programmen "Stadtumbau Ost" oder "Städtebaulicher Denkmalschutz" seien "eine der wichtigsten Säulen für die Sanierung unserer Städte". Die Verwaltungsvereinbarung wird jedes Jahr neu zwischen Bund und Ländern geschlossen, nach ihr richtet sich der Geldsegen für Sanierung und Abriss. Die Städtebauförderung des Freistaats wird aus fünf Programmen gefördert, die meisten teilen die Kosten für Bund, Land und Kommune in drei Teile.

Seit 1991 flossen über 4,5 Milliarden Euro von Bund und Freistaat in den Stadtumbau. 232 Städte und Gemeinden haben laut Innenministerium von den Programmen profitiert. So nahm sich das Programm für "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf" den Leipziger Osten vor, wo 4,3 Millionen in die "Verbesserung sozialer Lebensbedingungen" flossen. Mit knapp 50 Millionen Euro finanzierte "Stadtumbau Ost" das Dresdner Kraftwerk Mitte.