Scheich Mohammed , der Al-Qaida-Top-Terrorist, ist in Pakistan gefasst worden. Der Terrorist wurde mit zwei weiteren Personen von den pakistanischen Behörden in Rawalpindi verhaftet.Er soll bei allen großen Terroranschlägen der vergangenen Jahre dabei gewesen sein: Khalid Scheich Mohammed stand auf den Fahndungslisten der USA ganz oben. Nach seiner Festnahme in Pakistan sind die Ermittler der US-Geheimdienste der Überzeugung, einen der engsten Vertrauten von Extremistenführer Osama bin Laden in ihrer Gewalt zu haben. Für das Terrornetzwerk ist seine Inhaftierung ein weiterer schwerer Schlag.

"Ausfindig gemacht"
Bislang war der als hoch intelligent und zugleich risikofreudig eingeschätzte bin-Laden-Freund den internationalen Geheimdiensten immer einen Schritt voraus. Seit acht Jahren stand Scheich Mohammed, der 1964 oder 1965 in Pakistan oder Kuwait geboren sein soll, auf den US-Fahndungslisten, zuletzt mit einem Kopfgeld von 25 Millionen Dollar. In Pakistan kam er bei immer neuen Vertrauten unter - bis Samstagmorgen, als ihn pakistanische und US-Sicherheitskräfte zusammen mit zwei Gefolgsleuten im Schlaf überraschten. Auf dem Fahndungsfoto der US-Bundespolizei FBI im Internet prangt nun ein roter Balken: "Located" ("Ausfindig gemacht").
Auf einem Kriegsschiff oder in einem Militärcamp dürften die USA versuchen, aus seinen präzisen Kenntnissen über das Al-Qaida-Netzwerk Nutzen zu ziehen. Nach Überzeugung der US-Geheimdienste ist Scheich Mohammed der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001. Von ihm stamme die Idee, entführte Passagiermaschinen in Hochhäuser zu lenken, ließ sich vergangenes Jahr ein US-Regierungsvertreter zitieren. Auch für den Anschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba soll er grünes Licht gegeben haben. Bei dem Attentat vor einer Synagoge wurden vergangenen April 21 Menschen getötet, unter ihnen 14 Deutsche. Zudem wird Scheich Mohammed vorgeworfen, vor fünf Jahren an der Planung der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania mit 224 Toten beteiligt gewesen zu sein. Auch soll er Attentate auf Nato-Schiffe vor Gibraltar geplant haben.
In New York wurde 1996 Anklage erhoben, weil er die Sprengung von US-Passagiermaschinen über dem Pazifik geplant haben soll.
Scheich Mohammed, der fließend Arabisch, Englisch und zwei pakistanische Stammessprachen spricht, soll eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung der Al-Qaida-Aktivitäten gespielt haben. Den US-Ermittlern zufolge schleuste er Gelder für verschiedene Terrorzellen, unter anderem in Pakistan. Dort soll er versucht haben, nach dem Sturz der verbündeten Taliban-Miliz im benachbarten Afghanistan das Al-Qaida-Netzwerk wieder aufzubauen.
Einer seiner Neffen ist Ramzi Youssef, der in den USA wegen der Verwicklung in den Anschlag auf das World Trade Center 1993 eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. In den USA studierte der mutmaßliche Terrorist nach Erkenntnissen der Ermittler Ingenieurwesen, bevor er sich vor den Anschlägen vom 11. September an die Seite bin Ladens nach Afghanistan zurückzog.
Kurz vor dem ersten Jahrestag der Anschläge gab Scheich Mohammed zusammen mit dem Jemeniten Ramzi Binal-shibh in einem pakistanischen Versteck ein Fernsehinterview und beschrieb detailliert die Planungen für die Anschläge. Der anschließenden Festnahme Binalshibhs, der als Cheflogistiker der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta gilt, konnte sich Scheich Mohammed noch entziehen. Schon vor einem Jahr war der aus Saudi-Arabien stammende Palästinenser Abu Subaydah in Pakistan gefasst worden, der als weiterer enger Vertrauter bin Ladens gilt.

Bush: Fantastische Nachricht
Allein Pakistan lieferte in den vergangenen 16 Monaten etwa 430 mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder an die USA aus. Nun werde den verbliebenen Strukturen der Organisation vermutlich "das Rückgrat gebrochen", sagte ein pakistanischer Sicherheitsbeamter nach der Festnahme von Scheich Mohammed. US-Präsident George W. Bush bezeichnete die Nachricht als "fantastisch".